Review zu "Face Noir"

Mit dem düsteren Titel „Face Noir“ geben die italienischen Entwickler Mad Orange ihr Adventure-Debüt. Für eine komplette Lokalisierung für den deutschsprachigen Raum hat Daedalic Entertainment gesorgt und den Titel als Retail-Version in den Handel gebracht. Entwickelt wurde das Adventure auf der Wintermute Engine und präsentiert sich in 2.5D-Technik mit reiner Point&Click-Steuerung. Schauplatz der Handlung ist das New York der 30er-Jahre inmitten der Weltwirtschaftskrise. Man schlüpft in die Rolle des Privatdetektivs Jack Del Nero und wird in einen düsteren Fall verwickelt.

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einem Karton mit Klappdeckel, der eine DVD-Box beinhaltet, in der sich die Spiel-DVD, das Handbuch und als Zugabe die Soundtrack-CD befinden. Das Handbuch vermittelt auf 14 Seiten ausführlich alle wichtigen Informationen zum Spiel. Die Installation verlief problemlos und es wurden ca. 1,14GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Beim Start des Spieles fragt die Wintermute Engine noch grundlegende Einstellungen für Grafik und Sound ab. Über das Hauptmenü des Spieles können dann in den Optionen noch Untertitel, Schatten und verschiedene Lautstärken eingestellt werden.

Story und Rätsel

Die düstere Geschichte spielt im New York der 30er-Jahre, inmitten der Weltwirtschaftskrise, wo Betrug und Korruption auf der Tagesordnung stehen. Der Privatdetektiv Jack Maria Del Nero erhält einen zunächst harmlos erscheinenden Auftrag, den er sogleich annimmt. Er soll lediglich Fotos machen, welche die Affäre einer jungen Frau aufdecken. Schon bald aber wird Jack in einen düsteren Fall verstrickt, in dem eine Leiche am Hafen und ein verstörtes junges Mädchen eine entscheidende Rolle spielen. Die Story insgesamt ist zwar durchaus interessant, braucht aber sehr lange um zumindest etwas in Fahrt zu kommen und selbst dann vermag sie nicht den Spieler wirklich zu fesseln. Die Handlung plätschert eher so vor sich hin und der Spieler löst nach und nach diverse Aufgaben und Rätsel. Diese sind im ersten Spielabschnitt noch ganz gut gelungen, aber insbesondere im Mittelteil des Spieles zeigen sich diverse sehr unglückliche Rätsel, die wirklich frusten können und dem Spieler unnötig Zeit stehlen. Das auf der Verpackung ausgewiesene „nicht-lineare Spielerlebnis“ stellt sich zudem auch nicht ein. Zwar hat man gewisse Freiheiten beim Aufsuchen der Locations und kann auch die Reihenfolge beim Anpacken von Aufgaben selber bestimmen, allerdings stehen dem oftmals sehr strikt einzuhaltende Reihenfolgen und teilweise nicht direkt erkennbare Abhängigkeiten zum Lösen von Rätseln gegenüber. Über die Spieldauer von etwa 15-18 Stunden bietet das Spiel zumindest hinsichtlich der Story bzw. Rätsel somit eher durchwachsene Unterhaltung und endet zudem wenig zufriedenstellend für den Spieler.


Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch präsentiert sich Face Noir in 2.5D-Optik, zwar technisch schon etwas angestaubt aber trotzdem noch durchaus ansprechend. Die Gestaltung der Locations und der Einsatz verschiedener Effekte wie Nebel oder Regen unterstützen die düstere Atmosphäre des Spiels. Die Animation der Charaktere in kleiner Ansicht ist ansprechend, in der Nahansicht des Gesichts bei Dialogen wirken die Charaktere aber etwas ausdruckslos, als hätten sie alle ein Face-Lifting bekommen. Animierte Zwischensequenzen gibt es leider keine, stattdessen wird die Geschichte durch gezeichnete Bildfolgen vorangetrieben. Musikalisch bietet das Spiel einen eigens komponierten Jazz-Soundtrack, dem es allerdings deutlich an Abwechslung fehlt. Die Sprecher und Sprachausgaben sind mit wenigen Ausnahmen gut gelungen, leider aber fehlen an bestimmten Stellen bei Dialogrätseln die Sprachausgaben gänzlich und zudem haben manche Aufnahmen störende Knack-Geräusche. Auch die Lippensynchronität lässt über weite Bereiche hinweg sehr zu wünschen übrig.


Gameplay

Gesteuert wird das Spiel aus der 3rd-Person-Perspektive mit einer reinen Point&Click-Steuerung. Durch einen Doppelklick kann ein Raum schnell verlassen werden, jedoch kann die gesteuerte Spielfigur innerhalb einer Location nicht laufen, was dem Spieler manchmal etwas Geduld abverlangt. Aufgenommene Gegenstände wandern automatisch ins Inventar, das mit der mittleren Maustaste geöffnet werden kann. Leider ist das Handling des Inventars etwas umständlich gelöst, da gibt es wesentlich bessere Ansätze bei anderen Spielen. Ein interessantes, wenn auch nicht innovatives Feature ist das Gedankenmenü, in dem zwei Gedanken gezielt kombiniert werden müssen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Getrübt wird der Spielspass leider durch häufige Abstürze im Spielverlauf und auch sehr oft beim Öffnen des Hauptmenüs über die ESC-Taste, wenn man eigentlich speichern möchte, so aber den Spielfortschritt wieder verliert. Somit muss sehr oft gespeichert werden und verstärkt wird das Problem durch die Tatsache, dass die Anzahl der Speicherplätze auf 24 Slots begrenzt ist. Weiters erscheint auf dem Spielbildschirm inmitten des Spielens immer wieder mal eine Fehlermeldung „Script Runtime Error“, was ebenfalls störend ist.


Zusammenfassung

Face Noir ist sicherlich kein schlechtes Adventure, wirklich gut ist es hingegen aber auch nicht und man merkt dem Spiel die noch mangelnde Erfahrung der Entwickler an. Zu viele unnötige Schwächen, besonders im Rätseldesign und in der Steuerung, trüben den Spielspass. Das Adventure bietet ein ansprechendes Setting und die Story ist grundsätzlich interessant, kommt aber nur langsam in Fahrt und ist dann auch nicht wirklich fesselnd. Zudem gestaltet sich das Ende (das eigentlich ja keines ist) nach etwa 15-18 Stunden Spieldauer wenig zufriedenstellend. Grafisch hingegen ist der Titel trotz etwas angestaubter Technik in seiner 2.5D-Optik ganz ansprechend. Leider fehlt es dem eigens komponierten Jazz-Soundtrack an Abwechslung, wodurch die musikalische Untermalung nach einer gewissen Zeit eintönig wirkt. Dafür hingegen sind die Sprachausgaben abgesehen von ein paar Ausnahmen eigentlich ganz gut gelungen. Getrübt wurde der Spielspass von häufigen Abstürzen des Spiels, hoffentlich gibt es da bald noch einen Patch.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Mad Orange
Publisher Daedalic Entertainment
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK16
Anmerkungen/Remarks keine


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