Review zu "Casebook Episode 2 – The Watcher"

In der zweiten Episode der Casebook-Reihe geht es um einen jungen Mann, der bei einem Sturz aus dem Fenster seiner Wohnung ums Leben kam. Was auf den ersten Blick nach einem Selbstmord aussieht, entpuppt sich bald als ein neuer Kriminalfall für Detective Burton und sein Team. Technisch wurde das Spiel grundsätzlich wie die erste Episode umgesetzt, darum decken sich manche Abschnitte in unseren Reviews. Der umfangreichere Download der zweiten Episode verspricht aber schon mal deutlich mehr Inhalte im Spiel.

Verpackung, Handbuch und Installation

Auch die zweite Episode kann auf der Casebook-Homepage derzeit nur als Download bezogen werden, darum entfallen die üblichen Hinweise zur Verpackung wieder. Der Download hat diesmal eine Größe von etwa 1,4GB und ist somit deutlich umfangreicher als die erste Episode. Durch die Ausführung des heruntergeladenen Installationsfiles werden dann knapp 1,6GB an Spieldaten auf die Festplatte installiert. Ein separates Handbuch in Form einer Datei ist nicht vorhanden, da alle wichtigen Infos wie schon in der ersten Episode später direkt im Spiel vermittelt werden bzw. über eine Hilfetaste dort aufgerufen werden können. Im sehr übersichtlichen Hauptmenü können über die Optionen die englischen Untertitel und die Empfindlichkeit der Maus (entspricht später auch der Drehgeschwindigkeit in der 1st-Person-Ansicht) eingestellt werden. Bevor man sich in den Fall stürzen kann, muss über das Menü noch ein Spielerprofil angelegt werden, auf dem später automatisch der aktuelle Spielstand gespeichert wird. Hat man die erste Episode bereits installiert und gespielt, wird das alte Profil automatisch übernommen.

Story und Rätsel

In der Casebook-Reihe schlüpft der Spieler in die Rolle eines forensischen Ermittlers, der unter der Leitung von Detective James Burton bei der Aufklärung verschiedener Kriminalfälle mitwirkt. Im aktuellen Fall geht es um den Mord an einem jungen Mann in einer heruntergekommenen Wohngegend. Offensichtlich hat er seine Nachbarn beobachtet und auf Video aufgenommen. Könnte das der Grund für den Mord an ihm sein? Hat er womöglich etwas gesehen, was er nicht sehen sollte? Der eigentliche Hauptcharakter ist wieder Detective James Burton, der uns als leitender Ermittler diesmal deutlich klarere Anweisungen gibt. Er ist es auch, der später die Gespräche mit den Zeugen und Verdächtigen führt, was wir eher passiv verfolgen müssen. Manchmal erhalten wir die Gelegenheit, ihn bei seinen Entscheidungen zu beraten, was sich dann in Form einer leichten Variation des anschließenden Videos niederschlägt, sonst aber keine generelle Auswirkung auf den weiteren Handlungsverlauf nimmt.

Unsere Aufgabe besteht hauptsächlich darin, die verschiedenen Locations genauestens zu untersuchen und forensische Analysen der gefundenen Spuren durchzuführen. Das Aufsuchen der Spuren erfolgt ausschließlich mit Hilfe einer Kamera, über deren Sucher und Zoomfunktion die einzelnen Schauplätze genauestens abgesucht werden müssen. Hat man einen interessanten Gegenstand oder eine Spur gefunden, kann man abdrücken. Nicht ganz realistisch, da insbesondere DNA-Spuren ja wirklich vor Ort aufgenommen werden müssen und ein Bild dazu nicht ausreichend ist. Die Kamera bietet zudem nur Platz für 8 Bilder, danach muss man in das mobile Labor, um die Bilder auszuwerten. Weitere Analysen erfolgen dann auch dort. Die gefundenen Hinweise werden in einem Ordner, getrennt nach jedem Schauplatz, verwaltet und können dort untereinander verknüpft werden, sofern es Zusammenhänge bei den Spuren gibt. Danach wiederholt sich der Vorgang im Prinzip, man macht also weitere 8 Bilder am Schauplatz mit seiner Kamera, kehrt wieder zum mobilen Labor zurück und wertet diese aus. Abhängig davon, welche Beweise und Verknüpfungen man bereits gefunden hat, wird die Geschichte Stück für Stück weiter vorangetrieben. Hat man einen Schauplatz erledigt, wird der nächste freigeschalten. Adventuretypische Herausforderungen wie Inventar und Rätsel fehlen immer noch, trotzdem fühlt man sich durch seine Aufgaben und den permanenten Austausch zwischen James Burton, seinem Kollegen im Labor und einer neuen Kollegin durchaus als Teil des Geschehens.

Im Gegensatz zur ersten Episode versteht „The Watcher“ einen erheblich spannenderen Kriminalfall zu erzählen, der bis zum Ende spannend bleibt und wesentlich mehr Dynamik aufweist. Hier haben die Entwickler eine enorme Steigerung im Vergleich zur ersten Episode erreicht. Auch durch die deutlich mehr vorhandenen Videosequenzen wird die Handlung angereichert. Dazu kommen erweiterte Aufgaben im Gameplay-Bereich. Allerdings kommt man trotz des größeren Umfangs auch nur auf eine Spieldauer von etwa 3 Stunden, jedoch eine wesentlich reichhaltigere. Ein kleiner Wermutstropfen ist die Tatsache, dass die zweite Episode mit einer Art Cliffhanger endet und man auf die dritte Episode warten muss, um einen hoffentlich zufriedenstellenden Abschluss des Falles erleben zu können.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Auch in dieser Episode wurden die FMV-Sequenzen wieder hervorragend umgesetzt und sogar noch verbessert. Die gleichzeitige Darstellung von mehreren Handlungssträngen in Form von Split-Screens trägt zusätzlich zur Dynamik der Handlung bei. Bildtechnisch wurde die Atmosphäre der verschiedenen und diesmal noch ansprechender gestalteten Locations sehr gut wiedergegeben. Manche der Videos nehmen fest den ganzen Bildschirm ein, aber es gibt auch wieder Sequenzen, in denen man selber über die Maus den Blickwinkel der Kamera leicht verändern kann, was einen noch ein Stück näher an das Spielgeschehen rücken lässt. Auch die fotorealistische Grafik an den Schauplätzen mit flüssiger 360° Rundumsicht wurde mittels der bewährten Areograph-Technik wieder eindrucksvoll umgesetzt. Störend ist wie gehabt, dass die Schauplätze dadurch sehr statisch erscheinen.

Die Charaktere sprechen ein sehr gut verständliches Englisch und wer sprachlich nicht ganz sattelfest ist, kann sich zusätzlich auch die optionalen Untertitel einblenden. Lediglich die Lautstärke der Stimmen ist auch in dieser Episode an manchen Stellen noch etwas zu niedrig und dadurch kann man das eine oder andere Wort am Satzanfang verpassen, aber im Kontext sollte man alles einwandfrei verstehen können. Die Loops mit den Hintergrundgeräuschen sind stimmig und passen zu den Locations. Musikalisch gibt es leider keine wesentlichen Erweiterungen im Vergleich zur ersten Episode, lediglich in den Videosequenzen kommen verstärkt kurze musikalische Akzente zum Einsatz.

Gameplay

Gesteuert wird aus der 1st-Person-Perspektive und es gibt zwei grundlegende Tätigkeiten, nämlich das Aufnehmen der Spuren mit seiner Kamera und später das Analysieren der gefundenen Hinweise im mobilen Labor, wobei es hinsichtlich der Analysemöglichkeiten einige Erweiterungen in dieser Episode gibt. Nach dem Intro des Spiels befindet man sich gleich an der ersten Location, diesmal dem Zimmer des vermeintlichen Opfers. Dort werden mittels Kamera gleich die ersten Spuren aufgenommen. Das Spiel bietet das bereits gewohnte Tutorial, welches den Spieler durch die ersten Minuten des Spieles führt, was sehr effizient funktioniert. Später kann man jederzeit über die F1-Taste Hilfe zur aktuellen Aufgabe aufrufen. Innerhalb der Locations kann man sich entweder mit reiner Maussteuerung oder alternativ zusätzlich mit Tastatursteuerung (WASD) umsehen. Sobald man etwas von Interesse gefunden hat, wird die Kamera aktiviert und über den Sucher mit Zoomfunktion wird das Objekt bzw. die Spur angepeilt. Dabei muss beachtet werden, dass man sich nicht zu nahe und auch nicht zu weit entfernt befindet, sonst sind manche Spuren erst gar nicht sichtbar oder die Aufnahme ist unbrauchbar und wird verworfen. Dadurch ist man dazu angehalten, sich innerhalb des jeweiligen Raumes zu bewegen und ihn aus verschiedenen Perspektiven zu durchsuchen. Wenn man alles sorgfältig durchsucht hat, aber trotzdem nicht mehr weiterkommt, kann man die sogenannte Intuitions-Taste (I) drücken, die einem hilft, eventuell übersehene Spuren oder Objekte zu lokalisieren. Hat man 8 Bilder mit der Kamera geschossen, ist diese leider auch schon wieder voll und man muss zwangsläufig in das mobile Labor, um die Bilder auf den Computer zu übertragen und dort auszuwerten.

Zum Auswerten der Bilder werden diese der Reihe nach im Computer gesichtet, wobei unwichtige Bilder automatisch vernichtet werden. Alle relevanten Bilder können dann weiter analysiert werden, wozu verschiedene Minispiele zum Einsatz kommen, glücklicherweise deutlich mehr als in der ersten Episode. Zusätzlich zu den bereits bekannten Analysen, gibt es diesmal etwa eine Videoanalyse, einen Simulator für Stürze, ein Suchgerät für chemische Spuren, eine Untersuchung mittels Mikroskop oder das Entschlüsseln von Runen. Diese Tätigkeiten sind zwar immer noch sehr einfach und laufen nach dem gleichen Schema ab, allerdings diesmal einfach mit mehr Abwechslung. Nach abgeschlossener Analyse werden die erhaltenen Fakten in Form von Bildern auf einen Stapel übertragen. Von dort können die Bilder dann einzeln in das Ermittlungsbuch gezogen und dort frei arrangiert werden. Dazu gibt es für jeden Schauplatz eine eigene Seite und zusätzlich ein Blatt für alle Beteiligten bzw. Verdächtigen. Leider bietet das Buch nicht ausreichend Platz, sodass man die Bilder nicht wirklich sinnvoll gruppieren kann. Gesammelte Spuren, die eine mögliche Verbindung zu anderen Hinweisen haben, werden durch ein Ketten-Symbol gekennzeichnet. Bringt man zwei solche Hinweise übereinander, wird die Verbindung automatisch hergestellt. Da es immer nur 2-3 Möglichkeiten gibt, kommt hier die Trial&Error-Methode zum Einsatz, wodurch auch diese Tätigkeit keine wirkliche Herausforderung darstellt.

Um den Überblick über den aktuellen Ermittlungsstand zu behalten, kann man über die Leertaste ein Logbuch aufrufen. Dort sieht man die bisherigen Videoclips mit Zeugen und Verdächtigen, eine Karte der Locations und die noch ausstehenden Beweise. Die Aufgaben sind klar dargestellt und man gezielt nach den jeweiligen Spuren suchen. Man muss sich dabei auch keine großartigen Gedanken machen, da man eigentlich keine Fehler machen kann. Erst wenn man alle relevanten Beweise gefunden und ausgewertet hat, geht es in der Handlung weiter. Aus diesem Grund gibt es wohl auch keine separate Speicherfunktion. Es wird automatisch immer der letzte Ermittlungsstand im Profil abgespeichert. Das hat jedoch den Nachteil, dass man nicht gezielt an bestimmte Stellen im Spiel zurückspringen kann, was angesichts des relativ kleinen Umfangs der Episoden aber kein Beinbruch ist.

Zusammenfassung

Es ist unglaublich, wie deutlich sich Casebook in der zweiten Episode „The Watcher“ gesteigert hat. Mit einer richtig spannenden Kriminalstory und angereichertem Gameplay verstanden es die Entwickler, das gute Konzept und Potential der Reihe weiter auszuschöpfen. Zudem hat die Geschichte wesentlich mehr Dynamik, was auch durch Erweiterungen in den FMV-Sequenzen, beispielsweise durch den Einsatz von Split-Screens, unterstrichen wird. Die Sequenzen an sich sind wieder hervorragend gemacht und im Vergleich zur ersten Episode gibt es auch spürbar mehr davon. Die Schauspieler haben allesamt eine gute Arbeit abgeliefert und die Charaktere glaubwürdig dargestellt. Auch die Drehorte wurden wieder sehr ansprechend und realistisch gestaltet. Soundtechnisch gab es keine großartigen Verbesserungen, lediglich etwas mehr musikalische Akzente in den Videosequenzen. Die englischen Sprachausgaben sind sehr gut verständlich und zusätzlich hat man wieder die Möglichkeit, sich Untertitel einblenden zu lassen. Die Spieldauer beträgt ähnlich wie bei der ersten Episode auch etwa 3 Stunden, wobei diesmal eine wesentlich reichhaltigere Unterhaltung geboten wird. Die Entwickler befinden sich auf einem sehr guten Weg und die Vorfreude auf die dritte Episode steigt. Insbesondere auch aus dem Grund, dass die zweite Episode in einer Art Cliffhanger endet …

English Summary

It is simply amazing, which way the second episode of the Casebook series was improved, comparing it to the first episode. With “The Watcher” the developers delivered a gripping crime thriller, underlining the strong potential of the game concept chosen. The gameplay was enriched by further mini-games, however, concerning the gameplay I still see some space for improvements. Generally speaking the story is much more dynamic, which is also supported by new ways of presenting some FMV sequences, for instance by splitting the screen and showing several scenes at the same time. The quality of the full motion videos is outstanding and fortunately there are much more of them compared to the first episode. Again also the performance of all actors in the cast was quite well. Further the locations and the filming/editing/directing was simply a great cinematic experience. Taking reference to the sound, there are no major changes, just some of the video scenes contain more musical accents. The English spoken in the game is easy to be understood, even without being a native speaker. Additionally there is the option to have English subtitles displayed in the game for better understanding. Similar to the first episode, it takes about 3 hours to finish the game, however at this time, the game provides a definitely richer and deeper gaming experience. Most certainly the developers will keep up their excellent work and further improve the series. Therefore I am looking forward to the release of the third episode, especially as the actual episode ended with a cliffhanger ...

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Areo Cinematic Games
Game Homepage
Casebook
Plattform/Platform PC (DOWNLOAD)
Perspektive/Perspective
1st-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating  
Anmerkungen/Remarks derzeit nur in Englisch erhältlich


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