Review zu "Machinarium"

Die Entwickler Amanita Design konnten ja bereits mit den beiden Teilen des Browserspiels Samorost überzeugen und haben danach das Puzzle-Adventure „Machinarium“ hervorgebracht. Das Spiel ist bereits längere Zeit als Download verfügbar, aber der Publisher Daedalic Entertainment hat das flashbasierte Adventure für den deutschsprachigen Raum nun auch als Version im Karton mit diversen Zugaben veröffentlicht. Die Geschichte dreht sich um einen kleinen Roboter namens Josef, der seine Freundin befreien und einen Bombenanschlag verhindern muss. Freigegeben ist das Spiel laut USK ohne Altersbeschränkung.

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einem hochwertigen, flachen Karton mit Klappdeckel, der in seinem metallisch glänzenden Design natürlich optimal zum Setting des Spieles passt. Darin befindet sich eine DVD-Box, welche neben der Spiel-CD und dem gedruckten Handbuch noch weitere Zugaben des Publishers beinhaltet, nämlich eine Audio-CD mit der Musik aus dem Spiel und ein doppelseitiges Poster im A3-Format. Zudem enthält die Spiel-CD als Bonus noch das komplette Spiel Samorost 2. Im Handbuch werden auf 14 Seiten neben der Story alle wichtigen Infos zum Spiel vermittelt, übrigens auch zum geheimen Leopardenmodus (etabliert sich nach und nach zum Running Gag). Das flashbasierte Adventure ist übrigens sowohl auf einem PC, als auch auf einem MAC spielbar. Die Installation der ca. 378MB unter Windows verlief problemlos und in kürzester Zeit gelangt man ins Hauptmenü, über welches der Vollbildmodus, ggf. die Fenstergröße und die Lautstärke des Spieles eingestellt werden können. Ebenfalls dort befindet sich der Zugriff auf das Speicher-/Lademenü.

Story und Rätsel

Die grundsätzliche Geschichte auf dem fernen Maschinenplaneten ist relativ schnell erläutert und kann bereits der kurzen Einleitung im Handbuch entnommen werden. Der junge Roboter namens Josef wird am Anfang des Spieles von einem Müllroboter auf einem Schrottplatz außerhalb der Maschinenstadt „Machinarium City“ entsorgt. Josef will das aber nicht einfach so hinnehmen, sucht seine Einzelteile zusammen und kehrt in die Stadt zurück. Dort möchte er seine Roboterfreundin aus den Klauen der bösen Roboter-Bruderschaft befreien und kommt dabei einem geplanten Bombenanschlag auf den Turm des Bürgermeisters auf die Spur, den er natürlich verhindern will. Obwohl die Story ansich durchaus einfach gestrickt ist und sich im Spielverlauf auch keine wesentliche Entwicklung mehr ergibt, bietet das Spiel ein phantasievolles und originelles Setting und zwischen dem Spieler und Josef wächst rasch eine gewisse emotionale Bindung. Interessant ist auch die Tatsache, dass es im Spielverlauf keinerlei textbasierte oder gar gesprochene Dialoge zwischen den Robotern gibt. Wenn es mal zum Informationsaustausch kommt, dann in Form von Bildern oder Bildfolgen in Gedankenblasen der Roboter. Der Schwerpunkt des Spieles liegt eindeutig in den Aufgaben und Puzzles, die durchwegs anspruchsvoll sind und sich im Bereich mittelschwer bis etwas schwerer bewegen. Das Spiel ist jedoch keineswegs eine einfache Aneinanderreihung von Puzzles. Im Gegenteil, alle Aufgaben sind sorgfältig abgestimmt und gut in den Spielverlauf eingebettet. Durch viele unterschiedliche Rätselarten (beispielsweise Inventarrätsel, Logikaufgaben, Schieberätsel, Maschinenrätsel, Musikrätsel) und die Interaktionsmöglichkeiten im Spiel bleibt klar der Charakter eines Adventures erhalten. Aufgelockert wird das Spiel zudem durch kleine Minispiele (z.B. Automaten in einer Spielhalle). Der Umfang des Spieles ist nicht unbedingt erschlagend, aber durch die teils anspruchsvollen Rätselaufgaben bewegt sich die Spieldauer zumindest beim ersten Durchspielen sicherlich im Bereich von 7-10 Stunden, natürlich stark abhängig von der Spielerfahrung und Übung bei Logikrätseln.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Das Spiel ist auch in der Anzahl der Locations nicht besonders üppig, aber das was man zu sehen bekommt ist sehr liebevoll und detailreich umgesetzt. Zunächst sind da natürlich die wunderschönen, handgemalten Hintergründe, welche durch kleinere Animationen aufgelockert werden. Darauf bewegen sich die verschiedenen Roboter, die – allen voran natürlich Josef - sehr umfangreich animiert wurden, auch in einigen Sonderaktionen. Obwohl die Charaktere nicht sprechen können, schafft es die Animation, die jeweilige Stimmungslage ganz eindeutig auszudrücken. Nachdem es im Spiel keine Texte oder gesprochene Dialoge gibt, entfallen natürlich auch die Sprachausgaben. Umso mehr muss natürlich die Hintergrundmusik versuchen, diese akustische Lücke zu schließen, was auch ausgesprochen gut funktioniert. Mit vielen abwechslungsreichen Musikstücken werden die verschiedenen Locations in der Maschinenstadt ansprechend und stimmig untermalt. Insgesamt 14 Musikstücke aus dem Spiel sind auch auf der mitgelieferten Audio-CD enthalten.


Gameplay

Gesteuert wird das Spiel aus der 3rd-Person-Perspektive mit einem sehr einfachen Interface. Da das Spiel flashbasiert ist, entfällt auch die Funktion der rechten Maustaste. Wenn man diese nämlich drückt, öffnen sich nur die Optionen des Flashplayers, was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig und gelegentlich störend ist. Am Anfang des Spieles wird der Spieler durch ein kleines Tutorial in die simple Spielsteuerung eingeführt. Wenn man später im Spiel mal nicht weiterkommen sollte, gibt es ein Hilfeicon, über welches ein kleiner Hinweis zur aktuellen Aufgabe in Form eines Bildes aufgerufen werden kann. Besonders nach etwa dem ersten Drittel des Spieles werden die Aufgaben und deren Zusammenhänge deutlich umfangreicher. Dafür bietet das Spiel als Zusatz zu den Hinweisen eine integrierte Komplettlösung, die allerdings erst durch eines der Minispiele (siehe Screenshot) freigeschalten werden muss. Die adventuretypischen Interkationen sind nur im näheren Umfeld des Roboters möglich. Man muss Josef also erst in die Nähe des jeweiligen Hotspots navigieren, um dort Aktionen ausführen zu können. Eine Besonderheit dabei ist auch die veränderbare „Körpergröße“ von Josef, da mit vielen Hotspots nur in bestimmen Größen interagiert werden kann. Weiters ist zu beachten, dass nicht immer die offensichtlich richtige Lösung eines Rätsels zur Lösung der gesamten Aufgabe führt. Der aktuelle Spielstand kann zu praktisch jedem Zeitpunkt abgespeichert werden, wofür allerdings nur 6 Speicherplätze zur Verfügung stehen, was trotz des geringen Umfangs des Spieles deutlich zu wenig erscheint.


Zusammenfassung

Machinarium ist ein ansprechend gemachtes und unterhaltsames Spiel, das seinen Schwerpunkt klar auf Puzzles legt. Trotzdem ist der Anteil von Interaktionsmöglichkeiten und adventuretypischen Elementen so hoch, dass man dieses Spiel eindeutig dem Adventuregenre zuordnen kann. Die Story rund um den kleinen Roboter Josef, der in der Maschinenstadt seine Freundin befreien muss und dabei einem geplanten Bombenanschlag auf den Turm des Bürgermeisters auf die Spur kommt, ist eher einfach gestrickt und bietet keine Überraschungen. Trotzdem ist das Spiel mit seinem phantasievollen Setting originell und kann den Spieler begeistern. Schnell entsteht auch eine emotionale Bindung zum Roboter Josef. Interessant ist dabei die auch Tatsache, dass das Spiel völlig ohne Text- oder Sprachausgaben auskommt. Der Austausch zwischen den Charakteren erfolgt ausschließlich über Bildsprache, was über Bildfolgen in Gedankenblasen visualisiert wird. Die handgezeichneten Hintergründe sind sehr detailreich und liebevoll gestaltet. Darauf bewegen sich die umfangreich und aufwändig animierten Roboter, deren Stimmungslagen und Aktionen über die Animationen ausgesprochen gut vermittelt werden. Durch die nicht vorhandenen Sprachausgaben muss die abwechslungsreiche Musik im Spiel diese akustische Lücke füllen, was auch hervorragend gelingt. Rätseltechnisch bietet das Spiel viel Abwechslung und gestaltet sich durchaus anspruchsvoll. Der Schwierigkeitsgrad liegt im Bereich mittelschwer bis teilweise eher kniffelig. Die Spieldauer orientiert sich natürlich stark an der Adventureerfahrung und Übung in Logikaufgaben, sollte sich aber etwa im Bereich von 7-10 Stunden beim ersten Durchspielen bewegen. Technisch lief das Spiel absolut einwandfrei. Bleibt nur noch die Frage, wer als erster den geheimen Leopardenmodus finden und aktivieren kann …

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Amanita Design
Publisher Daedalic Entertainment
Plattform/Platform PC (CD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating ohne Altersbeschränkung (USK)
Anmerkungen/Remarks keine


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