Review zu "Ghost Pirates of Vooju Island"

Nach dem erfolgreichen “A Vampyre Story” ist das neueste Werk der Entwickler Autumn Moon Entertainment rund um Bill Tiller nun ein Piratenabenteuer, was natürlich sofort Vergleiche mit der Monkey Island Reihe von LucasArts anregt, insbesondere da Bill Tiller damals an der Gestaltung von Monkey Island 3 maßgeblich mitgewirkt hat. Technisch umgesetzt wurde das 3rd-Person-Adventure mit 3D-Charakteren auf handgemalten 2D-Hintergründen. Der Publisher für den deutschsprachigen Raum ist dtp Entertainment und das Spiel ist ab 6 Jahren (USK) freigegeben.

Verpackung, Handbuch und Installation

Ein farbenfroh gestalteter und glänzender Karton mit Klappdeckel beinhaltet die DVD-Box, in welcher die Spiel-DVD sowie das gedruckte Handbuch zu finden sind. Zugaben wie etwa Voodoo-Puppen, Schatzkarten oder etwas Grog sind leider nicht enthalten, also stürzen wir uns auf das Handbuch, welches auf etwa 25 Seiten alle wichtigen Infos zum Spiel vermittelt. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass sich im Handbuch ein kleiner Fehler eingeschlichen hat und die Hotspottaste sich später nicht auf der Leertaste, sondern auf der Tabulator-Taste befindet. Die Installation des Spieles verlief reibungslos und so wanderten etwa 2,90GB an Daten auf die Festplatte. Wie auch im Handbuch ausdrücklich darauf hingewiesen wird, sollte die Spiel-DVD für den ganzen Spielverlauf im Laufwerk verbleiben, bestimmt soll sie vor bösen und hinterlistigen Piraten schützen. Alle wichtigen Spieloptionen können sehr übersichtlich direkt im Hauptmenü eingestellt werden. Dazu gehören diverse Lautstärken (Effekte, Sprache, Musik), das Bildformat, das Anti-Aliasing (Kantenglättung) und die Untertitel.

Story und Rätsel

Die hinterhältige Vooju-Priesterin Queen Zimbi heckt einen infernalischen Plan aus, der das Schicksal der gesamten Welt besiegeln könnte. Aber sie hat nicht mit unseren drei Helden gerechnet: dem Vooju-Magier Papa Doc Mystere, der draufgängerischen Piratenbraut Jane Starling und dem etwas tollpatschigen Schiffskoch Blue Belly. Queen Zimbi hat das Trio zwar vorsorglich mit einem Vooju-Zauber belegt und in Geister verwandelt, aber wohl keinen Gedanken daran verschwendet, dass die drei Gestalten mit ihrem außergewöhnlichem Einsatz und Teamwork es trotzdem schaffen würden, sie an ihren Plänen zu hindern. Der Spieler schlüpft über die drei Kapitel des Abenteuers hinweg abwechselnd in die Rollen der drei Helden und muss ihnen zunächst dabei helfen, ihre reale Menschengestalt wieder erlangen zu können. Allerdings behalten sie sich dabei vorerst noch die Möglichkeit, sich jederzeit wieder in Geister verwandeln zu können. Dies bietet natürlich auch Besonderheiten im Gameplay, indem man abhängig von der Situation entweder als Mensch oder als für die meisten unsichtbarer Geist agieren kann. Zudem haben die drei durch den Vooju-Zauber auch eine geistige Verbindung miteinander und können sich bei den diversen Aufgaben gegenseitig mit Informationen aushelfen. Der Schwierigkeitsgrad dabei ist überwiegend einfach und harte Rätselnüsse erwarten den Spieler keine. Zugegeben, manche Rätsel sind nicht immer ganz logisch und es muss manchmal durchaus probiert werden, aber das tut dem Spielspass keinen Abbruch. In Sachen Humor erreicht das Spiel sein Ziel eines „Angriffes auf die Lachmuskeln“ leider nicht, für den ein oder anderen Schmunzler reicht es aber allemal. Der grundlegende Faden der Story ist eindeutig linear, aber das freie Wechseln zwischen den Charakteren innerhalb der Kapitel verschafft zumindest etwas Freiraum in der Wahl der Reihenfolge. Trotzdem muss letztendlich jeder der Charaktere alle ihm zugedachten Aufgaben erledigen, bevor es im Storyverlauf weitergeht. Mit einer Spieldauer von nur knapp 10 Stunden ist der Spieler zwar insgesamt nicht besonders lang, durch die relativ einfachen Aufgaben aber permanent und ohne größere Hänger beschäftigt.


Grafik, Sound und Sprachausgabe

Das Spiel präsentiert sich mit 3D-Charakteren auf handgemalten 2D-Hintergründen, die insgesamt sehr ansprechend und liebevoll gestaltet sind, leider aber eine Spur zu unscharf wirken. Aufgelockert werden die teils sehr farbenfroh gestalteten Locations durch einige Hintergrundanimationen, welche sich nahtlos einfügen. Die Animation der Charaktere ist gut, wenngleich auch nicht herausragend. Speziell einige der nicht spielbaren Charaktere wirken etwas steif und ausdruckslos. Zudem haben sich gelegentliche Grafikfehler eingeschlichen, bei denen Personen an völlig falschen Stellen durch das Bild wandern oder sich beim Kampf das Schwert von Jane nicht in ihrer Hand befindet, sondern irgendwo sonst in der Location schwebt. Neben dem Intro und Outro sind noch mehr als 10 teils umfangreichere Videosequenzen in das Spiel integriert, die zumeist die Handlung vorantreiben. Wie bereits die Hintergründe, wirken auch die Videos etwas unscharf, was allerdings den Vorteil bietet, dass man die Übergänge kaum bemerkt. Leider verfügen diese Videosequenzen im Gegensatz zum restlichen Spiel über keine Untertitel. Ein Highlight des Spieles hingegen ist die atmosphärische und abwechslungsreiche Hintergrundmusik in Verbindung mit der insgesamt tollen Soundkulisse des Spieles. Auch die Sprachausgaben sind von einwandfreier Qualität und die Sprecher passend besetzt. Aber auch die beste Sprachausgabe kann manchmal nerven, wenn man sich wiederholende Kommentare einfach nicht abbrechen kann, was über weite Strecken des Spieles leider der Fall ist. Dies ist ein ganz klarer Schwachpunkt und sollte in aktuellen Adventures eigentlich nicht mehr auftauchen.


Gameplay

Gesteuert werden unsere drei Charaktere aus der 3rd-Person-Perspektive mit einem sehr einfachen und komfortablen Point&Click-Interface. Mit der linken Maustaste werden dabei alle Aktionen ausgeführt und über die rechte Maustaste gelangt man in das übersichtliche Inventar. Eine kleine Besonderheit im Inventar ist die Tatsache, dass viele Gegenstände beim Aufnehmen nur als „Gedanken“ in das Inventar gelangen und erst dann geholt werden, wenn sie wirklich benötigt werden. Das ändert in der Spielmechanik natürlich nichts, ist allerdings ein nettes Detail, das von den Entwicklern bedacht wurde. Zum schnelleren Auffinden der Hotspots in den jeweiligen Locations kann die Tabulator-Taste gedrückt werden. Solange die Charaktere ihre jeweiligen Aufgaben innerhalb eines Kapitels noch nicht erledigt haben, kann praktisch frei zwischen ihnen umgeschalten werden. Zudem können Gegenstände aus dem Inventar auf die jeweils anderen Charaktere angewendet werden, um ihre Kommentare und Ratschläge dazu einzuholen. Das Spiel bietet alle Elemente eines klassischen Point&Click-Adventures und kommt völlig ohne Minispiele, Actionsequenzen oder Game Overs aus. Der aktuelle Spielstand kann zu fast jedem Zeitpunkt ganz unkompliziert über das Hauptmenü abgespeichert werden. Neben den meist nicht abbrechbaren Sprachausgaben bildeten den zweiten wesentlichen Schwachpunkt die gelegentlichen Abstürze bzw. Hänger des Spieles. Manchmal war der Sound in den Zwischensequenzen bis zur Unverständlichkeit abgehackt und manchmal wurden in Verbindung damit auch kurze Teile der Videosequenzen einfach ganz abgeschnitten. An einer Stelle ging auch ohne erkennbaren Grund plötzlich die Performance des Spiels komplett in die Knie, sodass man nicht mehr einwandfrei spielen konnte. Abhilfe schaffte da das Beenden und Neustarten des Spieles, verbunden mit dem Laden des letzten Spielstandes. Zudem stürzte das Spiel gelegentlich mit einem „Runtime Error“ zum Desktop hin ab. Wie gesagt, diese Probleme zeigten sich im Spielverlauf nur gelegentlich, waren also auch kein permanentes Thema, welches den Spielspass völlig verdorben hätte. Trotzdem wäre für diese Schwachstellen natürlich ein Patch absolut wünschenswert.


Zusammenfassung

Insgesamt ist „Ghost Pirates of Vooju Island“ ein durchaus solides und gelungenes Adventure, das den Spieler für knapp 10 Stunden in Piratenabenteuer und Voodoo-Magie eintauchen lässt. Durch die durchwegs einfachen Aufgaben im Spiel, bietet sich dieses Adventure auch für Einsteiger an, obwohl nicht alle Rätsel immer ganz logisch erscheinen. In solchen Fällen muss dann eben probiert werden, was bei den stets überschaubaren Locations und Inventargegenständen auch zumutbar ist. Die lineare Story ist ansprechend, zugleich aber etwas wirr erzählt und nicht unbedingt herausragend. Gesteuert werden abwechselnd alle drei Charaktere aus der 3rd-Person-Perspektive, wobei ein sehr einfaches und komfortables Interface zum Einsatz kommt. Schöne Features sind der Austausch von Gedanken zwischen den Charakteren und auch die Tatsache, dass manche Spielabschnitte als deren Geister absolviert werden müssen, was natürliche zusätzliche Möglichkeiten im Gameplay bietet. Grafisch präsentiert sich das Spiel mit 3D-Charakteren auf handgemalten 2D-Hintergründen, welche ansprechend und liebevoll umgesetzt wurden, allerdings wie auch die vorgerenderten Zwischensequenzen etwas zu unscharf wirken. Ein klares Highlight des Spieles ist die atmosphärische und abwechslungsreiche Hintergrundmusik, die wie auch die Soundkulisse insgesamt das Setting des Spiels optimal untermalt. Auch die Sprachausgaben sind von einwandfreier Qualität und die Sprecher gut besetzt. Störend ist hinsichtlich der Sprachausgaben nur die Tatsache, dass die Kommentare der Charaktere nicht abgebrochen werden können. Ein weiterer Schwachpunkt des Spieles sind gelegentliche technische Probleme, die das Spiel zum Stottern oder manchmal gar zum Absturz brachten.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Autumn Moon Entertainment
Publisher dtp Entertainment
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK6
Anmerkungen/Remarks keine


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