Review zu "15 Days"

Schon in ihren letzten beiden Adventures „The Moment of Silence“ und „Overclocked – Eine Geschichte über Gewalt“ haben die Entwickler House of Tales gezeigt, dass sie sehr großen Wert auf das Erzählen und filmreife Inszenieren von spannenden Geschichten legen. Der neueste Titel „15 Days“ wurde als Meisterdieb-Adventure im Hollywood-Stil angekündigt. Eine Gruppe junger Kunstdiebe, die ihre Beute immer nur für wohltätige Zwecke einsetzt, gerät bei ihrem aktuellen Coup unerwartet in das Fadenkreuz eines internationalen Mordkomplotts. Freigegeben ist das Spiel ab 12 Jahren (USK).

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einem flachen Karton mit Klappdeckel, auf dem neben einer kleinen Storyeinführung auch die Hauptcharaktere vorgestellt werden. Nach dem Öffnen der Verpackung findet man eine DVD-Box, welche die Spiel-DVD und das gedruckte Handbuch beinhaltet. Abgesehen von etwas Werbematerial sind leider keine weiteren Zugaben zum Spiel (auch nicht in elektronischer Form) vorhanden. Das Handbuch vermittelt auf etwa 30 Seiten alle wichtigen Informationen zur Installation und Bedienung des Spiels. Weiters werden neben einer Storyeinführung auch die Hauptcharaktere nochmals näher vorgestellt. Die Installation verlief problemlos und so wurden etwa 3,66GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Beim Start des Spieles öffnet sich ein vorgelagertes Hauptmenü, über welches die grundlegenden Einstellungen für die Spiel-Engine vorgenommen werden können. Schön dabei ist die Option „automatisch nach Grafikkarte“, bei der man sich keine weiteren Gedanken über die Grafikdetails machen muss. Über „neues Spiel starten“ oder „Spiel fortsetzen“ gelangt man dann in das eigentliche Spiel, wobei zuvor noch die DVD im Laufwerk überprüft wird. Im Hauptmenü des Spieles lassen sich dann noch die Lautstärken, die Bildhelligkeit und die Untertitel einstellen.

Story und Rätsel

Cathryn, Mike und Bernard sind eine Gruppe junger Kunstdiebe, die in genialen Coups verschiedene Kunstobjekte aus den bekanntesten Museen dieser Welt stehlen. Sie tun dies aber nicht, um sich selber zu bereichern, sondern verkaufen ihre Beute, um den Erlös – sozusagen als moderne Robin-Hoods - für wohltätige Zwecke zu spenden. Wenn man sich die Programm- und Logdateien übrigens näher ansieht zeigt sich, dass das Spiel ursprünglich mal unter dem Titel „The Robin Hood Conspiracy“ lief, aber dies nur am Rande bemerkt. Im Zuge ihres aktuellen Coups gerät das Trio unerwartet in das Fadenkreuz der Ermittlungen in einem internationalen Mordkomplott, dessen Aufklärung in einem zunächst parallelen Handlungsstrang zu den Kunstrauben erzählt wird. Dazu steuert der Spieler neben Cathryn und ihren Freunden auch immer wieder den amerikanischen Ermittler Jack Stern, der übrigens ganz eigene Ermittlungsmethoden hat. Nach und nach verweben sich die zwei Handlungsstränge miteinander und der Spieler erkennt die Zusammenhänge. Insgesamt ist die Geschichte hochinteressant, spannend inszeniert und sehr dynamisch, fast actionreich, erzählt. Ganz klar eine Stärke der Adventures von House of Tales. Leider aber wurde bei diesem Spiel die Einbindung des Spielers komplett aus den Augen verloren. Es gibt eigentlich keine richtigen Rätsel und nur vereinzelte Minispiele, sodass das Spiel eher einem interaktiven Film entspricht, als einem Adventurespiel. Nur gelegentlich müssen Gegenstände aufgesammelt oder Informationen in einer Datenbank recherchiert werden. Durch die fehlenden Herausforderungen ist ein Schwierigkeitsgrad praktisch nicht vorhanden und der Spieler dazu verdonnert, sich passiv durch die weitestgehend lineare Story zu klicken. Nur die wirklich gut erzählte Story motiviert dazu, sich über die Dauer von etwa 7-9 Stunden vom Spiel berieseln zu lassen.


Grafik, Sound und Sprachausgabe

Die vorgerenderten Hintergründe sind sehr ansprechend gestaltet und wirken teilweise sogar fotorealistisch. Belebt werden die verschiedenen Locations durch zahlreiche und sehr gut eingebettete Hintergrundanimationen. Ein Schwachpunkt der grafischen Umsetzung hingegen sind die Animationen der Charaktere, da diese sehr steif wirken und über praktisch keine Mimik verfügen. Auch gibt es einige Sprünge in den Animationen, beispielsweise wenn sich die Charaktere umdrehen. Viele zusätzliche Animationen wurden einfach durch Schwarzblenden umgangen. Die Dynamik und Action der Story wird durch viele Perspektivenwechsel und Kamerafahrten eindrucksvoll unterstützt. Viele der Zwischensequenzen werden daher auch gleich über die Ingame-Grafik-Engine abgebildet und nur gelegentlich mit vorgerenderten Videos ergänzt. Die Hintergrundmusik ist abwechslungsreich und bereichert die verschiedenen Locations, ohne aufdringlich zu wirken. Auch die Hintergrundgeräusche und Soundkulissen sind stimmig, sodass an manchen Locations sogar gezielt auf Musik verzichtet wurde. Die Rollen der Charaktere sind hinsichtlich der Sprachausgaben gut besetzt, lediglich die gelegentlich wechselnden Aufnahmelautstärken der Sprachsamples stören etwas.


Gameplay

Gesteuert werden die verschiedenen Charaktere aus der 3rd-Person-Perspektive, wobei nicht frei zwischen den Charakteren umgeschalten werden kann. Der Wechsel der Charaktere ist fest vom linearen Handlungsverlauf vorgegeben. Wie vorher schon erwähnt, bietet das Spiel nicht sehr viele Interaktionsmöglichkeiten und die Aufgabe des Spielers beschränkt sich im Wesentlichen auf das Untersuchen von Locations, das Aufsammeln von Gegenständen und das Führen von Dialogen. Das dafür eingesetzte Point&Click-Interface ist denkbar einfach und intuitiv. Etwas umständlich erscheint der sogenannte Funktions-Hub, auf den man den Mauszeiger bewegen kann und über den sich dann entweder das Inventar oder das Speicher-/Lademenü öffnet. Vereinzelt sind im Spielverlauf kleine Minispiele eingebaut (z.B. Routing durch Computernetzwerke, Analyse von Autokennzeichen oder das Umprogrammieren von Laser-Lichtschranken), die aber relativ einfach zu lösen sind und auf Wunsch des Spielers sogar automatisch gelöst werden können. Manche im Spielverlauf erhaltene Informationen müssen auch in der spielinternen Datenbank „Ryzoom“ recherchiert werden, um weiterführende Informationen zu erhalten. Zum schnelleren Bewegen zwischen den Locations bietet das Spiel neben laufenden Charakteren (über Doppelklick) auch eine Kartenfunktion. Die aktuellen Spielstände können über das komfortable Speicher-/Lademenü verwaltet werden und eine Schnellspeicher-Taste ermöglicht ein Speichern, ohne dieses Menü erst aufrufen zu müssen. Technisch lief das Spiel leider nicht hundertprozentig einwandfrei, da es gelegentlich mit einer Fehlermeldung zum Desktop hin abstürzte.


Zusammenfassung

Im Adventure „15 Days“ erlebt der Spieler eine hochspannend erzählte und filmreif inszenierte Story rund um eine Gruppe junger Kunstdiebe und deren Verwicklung in ein internationales Mordkomplott. Leider aber haben die Entwickler dabei völlig auf die Einbindung des Spielers vergessen oder verzichtet, sodass das Spiel eher einem interaktiven Film gleicht. Entsprechend geht der spielerische Anspruch gegen Null und abgesehen von vereinzelten Minispielen klickt sich der Spieler eher passiv durch das Spiel, um nach etwa 7-9 Stunden die Zusammenführung der zwei zunächst parallelen Handlungsstränge und dann den Abschluss der Geschichte zu erleben. Grafisch präsentiert sich das Spiel mit sehr ansprechend gestalteten Hintergründen, welche durch zahlreiche und gut eingebettete Hintergrundanimationen belebt werden. Weniger gut gelungen sind hingegen die Animationen der Charaktere, die optisch ausdruckslos und steif wirken. In Sachen Hintergrundmusik und Soundkulisse zeigt sich das Spiel überzeugender. Auch die Sprecher sind passend besetzt und die Sprachausgaben sind abgesehen von gelegentlichen Schwankungen in der Aufnahmelautstärke von guter Qualität. Dieses Spiel zu beurteilen fällt nicht leicht, zumal es sich genau genommen nicht wirklich um ein Adventure handelt, sondern eher um einen interaktiven Film mit gelegentlichen Adventureelementen. Spieler, die bei einem Adventure nicht nur eine gute Story erleben wollen, sondern auch eine gewisse spielerische Herausforderung suchen, werden an diesem Titel keine Freude haben. Wer sich hingegen - ohne dabei groß nachdenken zu müssen - gerne von einer spannend erzählten Story berieseln lassen möchte, könnte durchaus Gefallen an „15 Days“ finden.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer House of Tales
Publisher dtp Entertainment
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective
3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks keine


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