Review zu "The Path"

Obwohl “The Path” eigentlich kein klassisches Adventurespiel ist, gibt es doch grundlegende Gemeinsamkeiten mit dem Adventuregenre. Da es sich dazu auch um einen interessanten sowie bemerkenswerten Ansatz für ein Computerspiel handelt, soll das Spiel an dieser Stelle im Zuge eines Reviews kurz vorgestellt werden. Im Kern wird die Geschichte von Rotkäppchen erzählt, allerdings in einem moderneren Umfeld und auf verschiedene Charaktere, insgesamt 6 junge Mädchen, projiziert. Auf jedes von ihnen wartet der böse Wolf, der diesmal aber verschiedene Gesichter hat …

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel ist als Download mit einem Umfang von etwa 205MB erhältlich, kann alternativ aber auch auf einem eigenen USB-Stick im „The Path“-Design bestellt werden. Zwischenzeitlich ist auch ein kostenloser Patch erschienen, der das Spiel neben weiteren Sprachen auch ins Deutsche übersetzt. Die Installation des Spiels verlief problemlos und es wurden rund 487MB an Daten auf die Festplatte installiert. Separates Handbuch ist keines vorhanden, allerdings gelangt man über das Hauptmenü in eine Beschreibung zur Steuerung des Spieles. Die wichtigsten Steuerungselemente werden dem Spieler später auch in der Form eines kleinen Tutorials nochmals näher gebracht.

Story und Rätsel

Im Kern des Spieles findet sich die Geschichte des Rotkäppchens, allerdings auf 6 verschiedene Charaktere in einem moderneren und tiefgründigeren Umfeld umgelegt. Der Spieler muss die 6 Mädchen Robin, Rose, Ginger, Ruby, Carmen und Scarlet durch den Wald nacheinander zum Haus der Großmutter führen. Dafür gibt es natürlich die einfache Möglichkeit, auf dem hellen Weg (darum der Titel „The Path“) zu bleiben und sicher zur Großmutter zu gelangen. Aber das ist nicht die Zielsetzung des Spieles. Der Spieler soll die Mädchen vielmehr vom hellen Pfad weg, in den dunklen Wald hinein führen, um sie dort mit ihrem jeweils individuellen „bösen Wolf“ zu konfrontieren. Die Mädchen bewegen sich im Alter von 9 bis 19 Jahren und haben natürlich auch altersbedingt völlig unterschiedliche Charaktere. Beispielsweise die kindlich-naive Robin, die den Wolf als Kuscheltier zum Spielen betrachtet und sich so in Gefahr begibt. Aber der böse Wolf muss nicht zwangsläufig immer ein Tier sein, sondern kann viele andere Gestalten annehmen …


Die Aufgabe des Spielers besteht hauptsächlich darin, mit den Mädchen den Wald zu erkunden, bis alle 6 Mädchen ihre Konfrontation mit ihrem individuellen Wolf erlebt haben. Beim Durchwandern des Waldes gibt es zudem verschiedene geheime Orte und versteckte Gegenstände zu finden. Zu einigen dieser Orte bzw. Gegenstände teilen die Mädchen auch ihre Gedanken mit, die zugleich den Charakter der Mädchen widerspiegeln. Richtige Aufgaben oder gar Rätsel sind überhaupt nicht vorhanden. Der Einsatz des Spielers beschränkt sich darauf, mit den Mädchen den Wald zu erkunden und sich Gedanken zu deren Erlebnissen zu machen. Für gefundene Gegenstände oder Orte gibt es zwar Punkte, aber diese sind sekundär und es gibt eigentlich kein klar vorgegebenes Ziel im Spiel. Vielmehr dreht sich das Spiel darum, den Spieler eine Geschichte in seinen Gedanken entstehen zu lassen. Bei jeder Begegnung mit dem Wolf gibt es nur wenige Andeutungen, aber keine klare Visualisierung der Erlebnisse. Kurz danach wachen die Mädchen immer traumatisiert vor dem Haus der Großmutter auf, was durch Regen, die Darstellung in schwarz und weiß, sowie die Körperhaltung der Mädchen dargestellt wird. Sobald sie das Haus der Großmutter betreten, wandern die Mädchen automatisch durch verschiedene Zimmer, um die Großmutter zu finden. Abhängig vom zuvor Erlebten, sieht man verschiedene bizarre Räume und verzerrte Bilder zum Tod der Mädchen. Der Ansatz dieses Spieles ist hochinteressant und vermag einen geduldigen Spieler durchaus über 10 Stunden hinaus zu beschäftigen, obwohl es keine richtigen Aufgaben oder Zielsetzungen im Spiel gibt. Vielmehr ist hier der Weg das Ziel. Die letztendliche Spieldauer bestimmt der Spieler, abhängig davon, wie genau er den dunklen Wald erkunden möchte. Wie aber von den Entwicklern „Tale of Tales“ empfohlen, sollte man sich viel Zeit für das Spiel nehmen und die Geschichte in seinen Gedanken entstehen lassen.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch präsentiert sich das Spiel vollständig in 3D mit wunderschön gestalteten Locations innerhalb des Waldes, die auch mehrere Hintergrundanimationen aufweisen. Über die Grafikoptionen im Hauptmenü können viele individuelle Einstellungen vorgenommen und optional auch ein verzerrender Filter über die Darstellung gelegt werden, was den düsteren Effekt noch etwas verstärken soll. Auch die Animation der Charaktere, primär der 6 Mädchen, ist sehr ansprechend gelungen und unterstreicht deren Besonderheiten. Das Spiel lädt förmlich dazu ein, den Wald zu erkunden und die verschiedenen Locations aus allen möglichen Perspektiven zu bewundern. Unterstützt wird das Setting von einer hervorragenden akustischen Kulisse. Neben den stimmigen Hintergrundgeräuschen wird das Spiel auch von verschiedenen Melodien, teilweise mit sogar etwas Gesang, untermalt, was die Atmosphäre einfach perfekt unterstreicht. Alleine der Wechsel vom hellen Pfad hinein in den dunklen Wald ist sowohl visuell als auch akustisch wirklich toll umgesetzt. Sprachausgaben gibt es im Spieler keine, die sind auch keineswegs nötig. Die gelegentlichen Gedanken der Mädchen werden in Form von Text ausgegeben.


Gameplay

Gesteuert werden die Mädchen aus der 3rd-Person-Perspektive, wobei man beim Gehen bzw. Laufen durch den Wald die Mädchen immer von hinten sieht. Sobald ein Mädchen stehen bleibt, kann der Spieler die Kamera um das Mädchen herum bewegen. Als Eingabegeräte dienen entweder die Maus, die Tastatur oder ein Joystick/Gamepad. Am Anfang des Spielers kann beliebig eines der Mädchen ausgewählt werden. Sobald ein Mädchen gestorben ist (was ja in gewisser Weise ein Ziel des Spieles ist), kann aus den verbleibenden Mädchen das nächste ausgewählt werden, bis alle Mädchen die für sie bestimmte Begegnung erfahren haben. Jedes der Mädchen wird als „Kapitel“ ausgewiesen und am Ende jedes Kapitels gibt es eine Zusammenstellung über die gesammelten Punkte und gefundenen Räume, was eigentlich aber nicht spielrelevant ist. Wichtig ist es nur, dem „bösen Wolf“ für das jeweilige Mädchen zu begegnen, um das Kapitel „erfolgreich“ abzuschließen. Zur besseren Orientierung im Wald wird alle 100 Meter automatisch kurz eine Karte mit dem bisher gelaufenen Weg und der aktuellen Position angezeigt. Gelegentlich werden wichtige Orte im Wald auch am Bildschirmrand als kleine Wegweiser angezeigt. Wenn man sich entsprechend dreht und immer in Richtung des Wegweisers läuft, wird man die angezeigte Stelle im Wald erreichen. Wie zuvor schon erwähnt, gibt es verschiedene Gegenstände im Wald einzusammeln. Diese werden im Korb der Mädchen gesammelt und der Inhalt kann über die Leertaste angezeigt werden. Allerdings sind auch diese Gegenstände eigentlich nicht spielrelevant.


Zusammenfassung

Mit „The Path“ haben die Entwickler „Tale of Tales“ ein interessantes Konzept für ein Spiel geschaffen, das auf der Geschichte des Rotkäppchens basiert, allerdings in etwas modernerer und tiefgründigerer Form. Im Mittelpunkt dabei steht das Erkunden seiner Umgebung und die Geschichte wird nicht vorgekaut, sondern entsteht in den Gedanken des Spielers. Adventuretypische Elemente wie Rätsel oder Dialoge fehlen gänzlich, allerdings versteht sich das Spiel auch nicht als Adventure. Entsprechend muss der Spieler auch viel Geduld mitbringen und das Spiel auf sich wirken lassen, ohne dabei hohe Anforderungen an das Gameplay zu stellen. Grafisch präsentiert sich das Spiel mit ansprechender 3D-Grafik und stimmiger Animation der Charaktere. Ein kleines Highlight ist die Soundkulisse des Spieles, in der insbesondere die vielen musikalischen Themen die Atmosphäre prägen. Gesteuert werden können die Charaktere vollständig über die Maus, alternativ aber auch über die Tastatur oder Joystick bzw. Gamepad. Die Spieldauer bestimmt im Prinzip der Spieler dadurch, wie eingehend er den dunklen Wald und somit das Spiel erkunden möchte. Man kann im Schnelldurchlauf alle 6 Mädchen wohl innerhalb einer Stunde durch den Wald direkt zu ihrem „bösen Wolf“ führen oder sich aber über 10 Stunden hinaus mit den Locations befassen und Gedanken zur Handlung machen …

English Summary

Releasing „The Path“ the developers „Tale of Tales“ came up with an interesting concept for a computer game. The setting is based on the fairy tale Little Red Riding Hood, however within a contemporary and more complex context. The game actually does not tell a story, it lets the player explore the dark forest and create a story in his mind. There are not typical adventure game elements such as puzzles or dialogues, but the game does not consider itself as an adventure game. Therefore the player just has to explore the game with much patience, not expecting too much of gameplay. Looking at the graphics, the game comes with nicely done 3D-graphics and good character animations. A little highlight of the game is the sound design, especially the variety of musical themes shaping the atmosphere in the game. The game can be controlled completely by mouse, however it also offers keyboard or joystick/gamepad controls. The length of the game is determined by the player, depending on how carefully one enjoys exploring the dark forest and the game. It sure is possible to guide all 6 girls through the forest and have them meet their individual wolves within less than one hour. On the other hand the game with its beautiful locations could be explored for 10 hours or more and the player should take the time, to let a story build up in his mind …

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Tale of Tales
Game Homepage
The Path
Plattform/Platform PC (DOWNLOAD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating keine Angabe
Anmerkungen/Remarks Sprachpatch "deutsch" erhältlich


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