Review zu "Dark Fall 3 – Lost Souls"

Mit dem Titel “Lost Souls” ist nun der dritte Teil der Dark Fall Reihe von Jonathan Boakes erschienen, der schon mit den ersten beiden Teilen von Dark Fall und dem zuletzt erschienenen „The Lost Crown“ überzeugende Adventurespiele abgeliefert hatte. Aber auch Matt Clark, der Kopf hinter dem Adventure Barrow Hill, war an der Entwicklung von Dark Fall 3 beteiligt. Eine neue Spiel-Engine soll dem Spieler mehr Freiheiten beim Erforschen der düsteren Locations bieten. Freigegeben ist dieses Horror-Adventure ab 16 Jahren (USK).

Verpackung, Handbuch und Installation

Verpackt ist das Spiel in einer einfachen DVD-Box, die neben der Spiel-DVD noch ein gedrucktes Handbuch enthält. Darin werden auf etwa 10 Seiten die wichtigsten Informationen zur Handhabung des Spiels und kurze Beschreibungen der Charaktere geboten. Insgesamt wirkt das Handbuch jedoch eher spartanisch gestaltet. Die Installation des Spieles verlief problemlos uns es wurden etwa 1,37GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Im Optionsmenü lassen sich die Untertitel und der Schwierigkeitsgrad (leicht oder hart) einstellen, wobei aus dem Handbuch und dem Menüeintrag nicht ersichtlich ist, was hier genau der Unterschied ist.

Story und Rätsel

Das Spiel führt den Spieler zurück an die Location aus dem ersten Teil von Dark Fall, allerdings mit einer neuen Story, die sich einige Jahre später ereignete. Das elfjährige Mädchen namens Amy ist verschwunden und der Inspektor soll diesen Fall aufklären. Er verdächtigt den etwas eigenartigen Vagabunden Mr. Bones, kann ihm die Entführung aber nicht auf legalem Wege nachweisen. Überzeugt von der Schuld von Mr. Bones, platziert der Inspektor falsche Beweise, um diesen zur Strecke bringen zu können. Die lokale Presse deckt jedoch den Einsatz gefälschter Beweismittel auf und in Folge wird der Inspektor vom Polizeidienst suspendiert. Erst Jahre später kehr der Inspektor an den Ort des Geschehens zurück, fest entschlossen, in einer paranormalen Suche die tatsächlichen Hintergründe des Verschwindens von Amy aufzuklären. Dabei kommt er einem dunklen Geheimnis auf die Spur und muss auf der Hut sein, nicht selber Opfer einer düsteren Macht zu werden. Das Spiel soll das bislang düsterste und gruseligste von Jonathan Boakes sein. In der Tat wird diese Atmosphäre gut vermittelt, wenngleich das Adventure sich in dieser Hinsicht nicht mit Spielen wie „Scratches“ oder „Barrow Hill“ messen kann. Nur durch gelegentlich aufblitzende Geister oder Soundeffekte alleine schafft man keine tiefgehende und gruselige Atmosphäre. Die Story an sich ist also nicht unbedingt umwerfend, aber motivierend genug, den Spieler dazu zu bringen, das Schicksal von Amy aufklären zu wollen. Abhängig von der Spielerfahrung dauert dies etwa 14-18 Stunden, wobei man den überwiegenden Teil der Zeit die Locations durchstreift, um die nächste Aufgabe zu suchen, weil das Spiel nicht ausgeprägt genug die Richtung weist. Die Rätsel selber sind in Bezug auf den Schwierigkeitsgrad nicht übertrieben anspruchsvoll, trotzdem ist das Spiel insgesamt nicht als einfach einzustufen, weil es eben viel Aufmerksamkeit und Ausdauer beim wiederholten Abgrasen der Locations erfordert. Übrigens sind manche Rätsel über einen Zufallsgenerator gesteuert und somit nicht bei allen Spielern identisch (beispielsweise Zahlencodes).


Grafik, Sound und Sprachausgabe

Hinsichtlich der Grafik hat das Spiel eine enorme Steigerung im Vergleich zu den Vorgängern hingelegt, wie die Screenshots veranschaulichen. Obwohl sich das Spiel in einer düsteren und menschenleeren Umgebung abspielt, hätten jedoch etwas mehr Hintergrundanimationen nicht geschadet. Leider wurde auch auf eine Einleitung oder umfangreichere Zwischensequenzen, etwa in Form von Videos, verzichtet. Trotzdem präsentiert sich das Spiel in grafischer Hinsicht insgesamt ausgesprochen gut, was durch die atmosphärische Hintergrundmusik und sehr gute Soundeffekte noch weiter aufgewertet wird. Etwas zerstört wird die Gesamtatmosphäre durch die unglaublich schwache Leistung der Sprecher in der Deutschen Sprachausgabe. Praktisch alle Stimmen wirken trotz des paranormalen Settings sehr unnatürlich und unpassend. Sie lassen die Charaktere eher lächerlich, als in irgendeiner Form gruselig oder düster erscheinen. Zudem sind nicht alle Passagen des Spiels vollständig mit Sprachausgaben ausgestattet. In diesem Zusammenhang sei auch noch erwähnt, dass auch die Lokalisierung allgemein nicht besonders überzeugend ist und viele Texte nicht der Handlung angepasst übersetzt scheinen.


Gameplay

Gesteuert wird das Spiel aus der 1st-Person-Perspektive mit einem reinen Point&Click-Interface. Leider hat das Gameplay einige Schwächen aufzuweisen, die unnötig die Geduld des Spielers fordern. Man bewegt sich myst-ähnlich in Sprüngen von Standort zu Standort. Die Sicht ist dabei statisch, also keine scrollende 360°-Rundumsicht. Allerdings kann man durch einen Klick an den oberen bzw. unteren Bildschirmrand seinen Blickbereich erweitern. Dies ist auf Dauer mühsam, besonders weil sich in diesen Bereichen immer wieder mal wichtige Gegenstände befinden und der Spieler praktisch an jedem Standpunkt diese Bereiche untersuchen muss. Im Verlauf des Spieles erhält man zwar eine Karte der Location, aber ein einfaches Springen über die Karte ist Fehlanzeige. An manchen Stellen im Spiel müssen Gegenstände durch Klicken und gleichzeitiges Bewegen der Maus manipuliert werden. Diese Funktion ist zwar ein durchaus nettes Feature, aber schwach umgesetzt, weil oftmals die nötigen Mausbewegungen nicht nachvollziehbar sind und man nur durch Probieren zum Ziel kommt. An einer bestimmten Stelle im Spiel muss etwas Müll durchwühlt werden, der sich eigentlich als ein großer Hotspot darstellt. Nur durch mehrmaliges Klicken an verschiedenen Stellen konnte ein wichtiger Gegenstand gefunden werden. Sehr umständlich ist auch die Speicher- und Ladefunktion, da man immer alle alten Spielstände durchblättern muss, um zum letzten (oder nächsten freien) Spielstand zu gelangen. Technisch lief das Spiel abgesehen von einem kompletten Aufhänger soweit einwandfrei.


Zusammenfassung

Trotz neuer Spiel-Engine, deutlich verbesserter Grafik und tollem Sounddesign präsentiert sich „Dark Fall 3 – Lost Souls“ insgesamt als wohl schwächster Teil der Reihe. Die Story ist nicht unbedingt umwerfend, aber zumindest motivierend genug, das Geheimnis um das Verschwinden von Amy aufklären zu wollen. Oftmals ist es nicht klar, an welcher Stelle im Spiel es weitergeht und somit benötigt man viel Zeit und Geduld beim Durchstreifen der Locations. Diverse Schwachpunkte im Gameplay verstärken diesen Eindruck. Die eigentlichen Rätsel und Aufgaben in sind eher einfach, wollen eben aber zuerst gefunden werden. Die Musik und das Sounddesign sind sehr gut gelungen und unterstützen die Atmosphäre. Die Leistung der Sprecher sowie die Lokalisierung im Allgemeinen sind jedoch als schwach einzustufen. Dark Fall 3 ist insgesamt bestimmt kein schlechtes Spiel, kann sich hinsichtlich der Atmosphäre aber nicht mit seinen Vorgängern oder gar anderen Adventures wie „Scratches“ oder „Barrow Hill“ messen. Richtig Freude daran werden primär nur eingefleischte Jonathan Boakes Fans haben.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Darkling Room
Publisher Iceberg Interactive / Koch Media
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 1st-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK16
Anmerkungen/Remarks keine


Kommentare zum Review / Comments on the Review