Review zu "Lost Horizon"

Nach den höchst erfolgreichen Titeln „Geheimakte Tunguska“ und „Geheimakte 2 – Puritas Cordis“ ist dies der neueste Titel der Entwickler Animation Arts. Der Publisher des Spieles ist Deep Silver (Koch Media), bei dem ganz offensichtlich auch enorm viel Engagement in diesen Titel gesteckt wurde. Die Story dreht sich um den früheren Soldaten und Abenteurer Fenton Paddock, der im tibetanischen Hochland ein Kloster und das dort vermutete Geheimnis von Shambala erforscht, da sein vermisster Freund Richard dort vermutet wird. Dabei hat Fenton jedoch ständig die Nazis im Nacken, die den mystischen Ort Shambala und die dort vermuteten Kräfte natürlich zuerst finden und für sich nutzen wollen. Umgesetzt ist das Adventure mit 3D-Charakteren auf handgemalten 2D-Hintergründen und gesteuert wird es über ein reines Point&Click-Interface. Freigegeben ist das Spiel ab 12 Jahren (USK).

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Adventure kommt in einer hochwertigen Box mit Klappdeckel, bei dessen Öffnung sich dem Betrachter ein eingeklebtes Flugzeug entgegenstreckt. Aber die Verpackung birgt noch weitere Überraschungen, nämlich ein großformatiges Poster, die Spiel-DVD in Schallplatten-Optik und ein ausgesprochen dickes Handbuch. Darin werden ausführlichst und in ansprechender Gestaltung alle wichtigen Informationen zum Spiel vermittelt. Es empfiehlt sich auch, die Einleitung in Form des Tagebuchs von Fenton Paddock zu lesen, um etwas mehr über die Vorgeschichte und manche der Charaktere im Spiel zu erfahren. Zusätzlich dazu gibt es im hinteren Teil des Handbuches für Adventure-Einsteiger auch eine ausführliche Anleitung über die ersten Abschnitte im Spiel, ähnlich einer Komplettlösung. Insgesamt hat das Handbuch übrigens stolze 80 Seiten zu bieten. Die Installation des Spieles verlief absolut problemlos und es wurden knapp 4GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Beim Start des Spieles wird die DVD im Laufwerk überprüft und nur für den Fall, dass dieser Kopierschutz unerwartet Probleme machen sollte, kann man sich über darin generierte Daten das Spiel per Email vom Support freischalten lassen (man erhält dann wohl einen Freischalt-Code). Dies ist eine absolut faire Lösung, sollte es doch einmal zu technischen Problemen kommen. In den Spieloptionen können die verschiedenen Lautstärken und hinsichtlich der Grafik noch die Schatten, der Vollbildmodus und die Animation der Texturen eingestellt werden. Darüber hinaus gibt es noch Einstellmöglichkeiten für die Untertitel, die Aktivierung der Spielhilfe und das Scroll-Verhalten der Inventars. Für erweiterte Einstellungen der Grafik-Engine kann zusätzlich auch das Konfigurations-Tool aus dem vorgelagerten Start-Menü benutzt werden.

Story und Rätsel

Die Suche nach seinem verschollenen Freund Richard Weston führt Fenton Paddock, früher ein Offizier im Dienste des britischen Empires, auf eine abenteuerliche Reise. Der Ausgangspunkt dafür ist das Hongkong der 30er Jahre, wo Fenton lebt und zunächst Kartenmaterial von Tibet beschaffen muss, da Richard dort in einem bestimmten, alten Tempel vermutet wird. Schon beim Vorbereiten der Reise zum besagten Tempel wird offensichtlich, dass dort etwas Sonderbares vor sich geht, womit offensichtlich auch das Verschwinden von Richard zu tun hat. Zusammen mit seiner alten Freundin, der Chinesin Kim, bricht Richard in seinem Flugzeug in Richtung Tibet auf. Ganz unerwartet taucht über dem tibetanischen Hochland aber ein deutsches Kampfflugzeug auf, das Richards Flugzeug sofort unter Beschuss nimmt und ihn zu einer Notlandung zwingt. Nachdem er die bei der Landung leicht angeschlagene Kim versorgt hat, begeben sich die Beiden auf die Suche nach Hilfe und stoßen dabei auf das Feldlager eines Nazi-Trupps. Offensichtlich haben auch die Nazis ein Interesse an dem alten Tempel, in dem Richard vermutet wird. Bald eröffnet sich, dass dort ein geheimer Ort namens Shambala existieren soll, der ungeahnte Kräfte birgt, die sich die Nazis zu Nutze machen wollen. Nun beginnt für Fenton und Kim ein Wettlauf gegen die Zeit und insbesondere die Nazis, der sie auch noch auf andere Kontinente führen soll …

Lost Horizon ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Adventure, also ein Abenteuer, deutlich geprägt vom Stil der Indiana Jones Filme, aber trotzdem mit eigenem Flair. Die spannend und actionreich inszenierte Story vermag den Spieler zu fesseln und man mag kaum die Maus aus der Hand legen. Auch die Charaktere sind sehr stark ausgeprägt und man kann sich gut in sie hineinversetzen. Die zahlreichen Rätsel, zumeist inventar- und objektbezogen, sind sehr gut in den Spielverlauf eingebettet und bewegen sich zugunsten eines flüssigen Transports der Story überwiegend im einfachen Bereich. Darüber hinaus finden sich aber auch noch andere Rätseltypen im Spiel, etwa Kombinationsaufgaben oder Dialogrätsel. Für einige der Aufgaben im ansonsten linear verlaufenden Spiel gibt es übrigens verschiedene Lösungsansätze. Besonders gut gelungen sind mehrere Rätsel, die von zwei Charakteren am gleichen Schauplatz, aber zu völlig verschiedenen Zeiten zu lösen sind. Alles was man sozusagen in der Vergangenheit ändert, beeinflusst die Gegenwart unter Berücksichtigung der inzwischen vergangenen Zeit. Trotz seiner actionreichen und flotten Inszenierung erspart das Adventure dem Spieler irgendwelche Action-Sequenzen oder Game Overs. Trotz der insgesamt relativ einfachen Rätsel bietet das Spiel eine stolze Spieldauer von etwa 15 Stunden, in denen dem Spieler ein aufregendes und spannendes Abenteuer geboten wird.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Die handgezeichneten Hintergründe bieten eine perfekte und farbenfrohe Kulisse für dieses Abenteuer, wie die nachfolgenden Screenshots zeigen. Auch die 3D-Charaktere sind was den Körper angeht ansprechend animiert, lediglich bei den Gesichtsausdrücken hätte man sich noch etwas mehr Details wünschen können, aber das Spiel bewegt sich grafisch bereits auf einem sehr hohen Niveau. Der Spielverlauf wird durch viele, teils auch umfangreichere, Videosequenzen aufgelockert, die sich alle nahtlos in das Spiel einbetten. Sämtliche dieser Sequenzen kann man sich übrigens über das Hauptmenü (Cinema) immer wieder ansehen. Ein weiteres Highlight des Spieles ist der tolle Soundtrack, der perfekt die Spannung und Atmosphäre im Spiel unterstützt. Das eigentliche Intro des Spieles zeigt sich übrigens erst nachdem man schon ein paar Minuten lang sozusagen die Vorgeschichte gespielt hat. Spätestens bei diesem Intro mit einem eigenen Titelsong wird einem klar, dass man im Begriff ist, ganz großes Kino zu erleben. Dass natürlich auch die Sprecher gut besetzt wurden und ausgezeichnete Arbeit geleistet haben, muss an dieser Stelle eigentlich nur mehr der Vollständigkeit halber aufgeführt werden.


Gameplay

Gesteuert wird das Spiel aus der 3rd-Person-Perspektive mit einem nahezu perfekten Point&Click-Interface, ähnlich wie schon aus den Geheimakte-Spielen bekannt. Alle Interaktionsmöglichkeiten werden über den Mauscursor angezeigt und wenn man wirklich mal der Meinung ist, etwas übersehen zu haben, dann kann die Hotspot-Taste benutzt werden. Das zumeist gut gefüllte Inventar am unteren Bildschirmrand ist übersichtlich angeordnet und die Scrollfunktion kann über die Optionen sogar angepasst werden. Wenn man nach einer längeren Pause mal den Faden verloren hat, kann man sich auch eine kurze Zusammenfassung der letzten Ereignisse und der aktuellen Aufgaben (ohne Spoiler) geben lassen, die dem Spieler dann von einem Erzähler vorgetragen werden. An manchen Stellen im Spiel kann man auch verschiedene Charaktere spielen, zwischen denen man teilweise auch Gegenstände austauschen muss, um in Kooperation die aktuelle Aufgabe zu bewältigen. Gelegentlich wird vor Rätseln im Spiel gefragt, ob der Schwierigkeitsgrad einfach oder herausfordernd sein soll. Diese Art der Abfrage ist nicht wirklich optimal platziert, da sie den Spieler sozusagen aus der Story herausreißt. Wesentlich besser wäre es, diese Einstellung einfach global vor dem Start des Spieles vornehmen zu können. Das Speichern und Laden über das Menü ist sehr komfortabel gestaltet und zusätzlich bietet das Spiel noch eine praktische Schnellspeichertaste. Technisch lief das Spiel absolut einwandfrei, was besondere Anerkennung verdient, da dies heutzutage leider nicht mehr ganz so selbstverständlich ist. Als Belohnung für das Durchspielen des Adventures wird nach der Schlusssequenz ein Bonusbereich freigeschalten. Darin findet sich auch eine spielbare Prototyp-Version das Spieles, die einen anderen Einstieg in die Story aufzeigt.


Zusammenfassung

Lost Horizon ist ein toll inszeniertes und auch sonst in jeder Hinsicht hervorragend umgesetztes Adventure. Die spannende und actionreiche Story mit ihren ausgeprägten Charakteren vermag den Spieler zu fesseln und man mag kaum die Maus aus der Hand legen. Im Gameplay setzten die Entwickler auf eine bewährte Point&Click-Steuerung und ersparen dem Spieler unnötige Action-Sequenzen oder Game Overs. Aber auch grafisch ist das Spiel ein Highlight, das mit seinen handgezeichneten Hintergründen, schön animierten Charakteren und mitreißenden Zwischensequenzen zu begeistern versteht. Abgerundet wird das Erlebnis durch einen stimmigen Soundtrack, der die Spannung und Atmosphäre perfekt unterstützt. Im Intro bietet das Spiel sogar einen eigenen Titelsong. Entsprechend dem hervorragenden Gesamteindruck sind natürlich auch sämtliche Sprecher sehr gut besetzt. Gerade für Sammler dürfte übrigens auch die hochwertige Verpackung der Erstausgabe einen besonderen Reiz darstellen. Technisch lief das Spiel absolut einwandfrei und nach dem Durchspielen eröffnet sich sogar ein Bonusbereich mit diversen Zugaben. Zusammenfassend kann dieses Adventure uneingeschränkt empfohlen werden. Es ist eigentlich ein Muss für jeden Adventurefan, wird aber auch viele neue Spieler für das Adventuregenre begeistern.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Animation Arts
Publisher Deep Silver / Game-Homepage
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks keine


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