Review zu "Amnesia – The Dark Descent"

Nach der überzeugenden Penumbra-Reihe haben die Entwickler Frictional Games aus Schweden ihr neuestes Adventure "Amnesia" veröffentlicht, das wieder auf ein ähnliches Spielkonzept baut: ein Horror-Survival-Adventure aus der 1st-Person Perspektive mit ausgeklügelter Physik-Engine, die den Spieler tief in die Spielwelt eintauchen lässt. Wie schon in Penumbra darf man sich auch bei Amnesia auf eine dichte Atmosphäre und teilweise fast unerträgliche Spannung freuen, muss dazu aber wieder Action und eine Steuerung mit Tastatur und Maus in Kauf nehmen.

Verpackung, Handbuch und Installation

Getestet wurde das Spiel anhand der Download-Version mit einem Umfang von knapp 1GB. Die Installation verlief problemlos und es wurden etwa 2GB an Daten auf die Festplatte entpackt. Das Spiel kommt übrigens gleich mehrsprachig daher und man kann zwischen den Sprachen Englisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch oder Französisch wählen. Die Sprachausgaben sind zwar immer in Englisch, aber alle sonstigen Texte (Untertitel, Menüs) und auch das elektronische Handbuch (PDF) ist in der jeweiligen Sprache verfügbar. Letzteres vermittelt auf etwa 12 Seiten ausgesprochen ausführlich alle wichtigen Infos zum Spiel. Ein kleiner Rückschlag stellte sich dann beim ersten Start oder besser Startversuch des Spieles ein, da es sich rasch aufhängte und dann gar nichts mehr ging. Abhilfe bot da nur der aktuelle Patch (v1.0.1), mit dem das Spiel dann aber einwandfrei und ohne weitere Probleme funktionierte. In einem vorgelagerten Optionsmenü können beim Start des Spieles diverse Einstellungen der Grafik-Engine vorgenommen werden, darunter auch Auflösung, Bildformat, Vollbild, Schatten, Texturqualität, Reflexionen und Antialiasing. Weitere Optionen können dann über das Hauptmenü im Spiel erreicht werden, beispielsweise die Untertitel, Hinweistexte oder die Belegung der Steuerung. Zusätzlich kann man Audio-Kommentare der Entwickler aktivieren, was sich aber für das erste Durchspielen nicht empfiehlt, das es der Atmosphäre und Spannung absolut abträglich ist. Vor dem Start eines neuen Spieles muss ein Spielerprofil angelegt werden, in dem dann die Spielstände abgelegt werden. Beim genaueren Durchforsten der Spieldateien findet sich auch ein größeres Archiv mit dem Namen „super_secret.rar“, was stark nach Bonusmaterial riecht. Die Tatsache, dass dieses Archiv auch noch durch ein Kennwort geschützt ist, nährt diese Vermutung. Mehr dazu aber später …

Story und Rätsel

Die Handlung beginnt damit, dass man sich stark benommen offensichtlich in einem alten Schloss wiederfindet. Abgesehen vom eigenen Vornamen Daniel und seinem Wohnort, dem Stadtteil Mayfair in London, kann man sich an überhaupt nichts mehr erinnern. Darum wohl auch der Titel Amnesia, also Gedächtnisverlust. Was bleibt Daniel also anderes übrig, als das düstere Schloss zu erkunden, eine Erklärung für seine Situation und letztendlich einen Ausweg zu finden. Nach ersten Erkundungen und schaurigen Entdeckungen wird Daniel klar, dass irgendetwas mit diesem Schloss nicht stimmt. Zudem mischen sich immer wieder dunkle Erinnerungen in Form von Stimmen in seine Wahrnehmung. So zeichnet sich in Verbindung mit den im Schloss verteilten Schriftstücken zunehmend ein Bild über die hier verübten Gräueltaten und einen Mann namens Alexander von Brennenburg, der dahinter zu stecken scheint. Es gibt keinen Ausweg für Daniel, er muss die Geschehnisse aufklären und dem unheimlichen Treiben ein Ende bereiten …

Amnesia versteht es hervorragend, dem Spieler innerhalb einer bedrückenden Atmosphäre und in unzähligen, spannungsgeladenen Momenten immer wieder massives Herzklopfen und schwitzende Hände zu bescheren. Ausschlaggebend dafür sind in erster Linie die Soundkulisse und generell die 1st-Person-Perspektive. Aber auch die Physik-Engine trägt einen wesentlichen Teil dazu bei, da der Spieler sehr viel mit seiner Umgebung interagieren muss und somit tief in die Spielwelt eintaucht. Diese Interaktionsmöglichkeiten werden gelegentlich auch als Basis für Rätsel und Aufgaben genutzt, allerdings wurde das enorme Potential leider nicht annähernd ausgeschöpft. Um trotzdem auf eine angemessene Anzahl von Rätseln zu kommen, setzt das Spiel zusätzlich auf klassische Rätselkost, wie etwa Inventar- oder Kombinationsrätsel. Die aktuell anstehenden Aufgaben sowie die bereits gefundenen Schriftstücke und Informationen werden im Journal automatisch mitgeschrieben. Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad hinsichtlich der Rätsel nicht besonders hoch, da primär auch das Erkunden der Umgebung im Mittelpunkt steht. Eine weitere Herausforderung sind Monster oder ähnliche Bedrohungen, die zumeist in Fluchtsequenzen enden. Wenn man die Monster frühzeitig bemerkt, kann auch ein gutes Versteck eine Konfrontation vermeiden. Diese Situationen sind natürlich wichtig, um den Spieler in Angst bzw. Stress zu versetzen und es wäre durchaus noch mehr Abwechslung und Einfallsreichtum bei diesen Bedrohungen wünschenswert gewesen. Generell könnte man hier noch am Konzept feilen, da man durch direkte Konfrontationen mit solchen Monstern zwar meist umkommt, aber wenige Sekunden später völlig unbeeindruckt davon weiterspielen kann. Hier würde die Physik-Engine sicherlich Möglichkeiten bieten, etwa das Stellen von Fallen oder das Werfen von Gegenständen, um die Monster abzulenken oder vorübergehend auszuschalten. Dazu sollte man frei speichern können und im Gegenzug dazu aber wirklich ein klares „Game Over“ erleben, wenn man mal nicht schlau genug war. Die Neugier in Bezug auf die Vorkommnisse im Schloss motivieren den Spieler immer wieder, weitere Erkundungen zu machen, bis man in den letzten Spielminuten durch bestimmte Aktionen eines der drei alternativen Enden der Story erreicht. Wenn man übrigens Interesse am Bonusmaterial hat, empfiehlt es sich, alle drei Enden auszuprobieren und den Abspann genau zu verfolgen. Insgesamt bietet Amnesia über eine Spieldauer von etwa 10-15 Stunden spannungsgeladene Unterhaltung, die dem Spieler starke Nerven abverlangt, sowohl was die gruselige Atmosphäre an sich, aber auch die teilweise vorkommende Action (z.B. Fluchtsequenzen) angeht.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Wie bereits in der Penumbra-Reihe erlebt, eignet sich die Grafik- und Physik-Engine einfach hervorragend für dieses Horror-Setting und schafft eine besondere Ausprägung des 1st-Person-Adventures, bei dem der Spieler tief in die Spielwelt eintauchen und in ihr interagieren kann. Wünschenswert wäre jetzt noch etwas mehr Abwechslung bei den verschiedenen Objekten und Gegenständen in der Spielumgebung. Ausschlaggebend für die dichte Atmosphäre ist jedoch die tolle Soundkulisse, die den Spieler mit verängstigenden Hintergrundgeräuschen und beklemmender Musik in Schrecken versetzt. Man fühlt sich irgendwie beobachtet und muss immer mit plötzlich auftauchender Gefahr rechnen. Obwohl es kaum direkte Dialoge gibt, enthält das Spiel viel Sprachausgabe, beispielsweise bei den Erinnerungen von Daniel oder zu diversen Dokumenten. Alle Sprecher haben sehr gute Arbeit geleistet. An dieser Stelle sei aber nochmals darauf hingewiesen, dass die Sprachausgaben in Englisch sind. Lediglich die Untertitel sind in Deutsch bzw. wahlweise in anderen Sprachen. Wer Interesse an diversem Bonusmaterial, wie etwa Artwork-Zeichnungen, Technik-Infos, Konzeptunterlagen oder Videos zum Spiel hat, sollte sich die Codes am Ende jedes Abspanns notieren. Für jedes der drei alternativen Enden gibt es einen bestimmten Code und wenn man diese Codes in der richtigen Reihenfolge aneinander setzt, hat man das Kennwort für die gepackte Datei „super_secret.rar“ im Spielverzeichnis (kleine Hilfestellung: l..t..o..).


Gameplay

Gesteuert wird bei diesem 1st-Person-Adventure mittels Tastatur und Maus, wobei die Tastaturbelegung individuell angepasst werden kann. Allerdings entspricht die Voreinstellung der gängigen Belegung (WASD) und ist eigentlich ganz angenehm zu handhaben. Trotzdem ist eine individuelle Anpassung der Steuerung in den Optionen des Spieles vorgesehen. So kann man sich ganz einfach in alle Richtungen bewegen, wobei für die Vorwärtsbewegung die Richtung über die Maus gesteuert wird. Zusätzlich kann natürlich auch gelaufen oder gesprungen werden. Da sich der überwiegende Teil des Spieles in dunklen Katakomben oder Räumen abspielt, gibt es verschiedene Lichtquellen, wie Kerzen oder Fackeln an den Wänden. Um diese zu entzünden benötigt man allerdings Anzünder, die man an verschiedenen Stellen im Spiel findet und mit denen man durchaus sparsam umgehen sollte, um nicht plötztlich völlig im Dunkeln zu stehen. Alternativ dazu findet man im Spielverlauf auch eine Öllampe, die aber immer wieder neues Öl benötigt, das man ebenfalls in vielen kleinen Portionen einsammeln kann. Um in gefährlichen Situationen nicht gleich entdeckt zu werden, empfiehlt es sich, die Öllampe zu löschen, sich zu ducken und in einem dunklen Eck zu verkriechen. Aber Vorsicht, wenn man sich zu lange im Dunkeln aufhält, schlägt dies auf die Psyche und Daniel könnte ernste Probleme bekommen. Um sich psychisch zu erholen muss man sich wieder ins Licht begeben und Erfolgserlebnisse durch gelöste Aufgaben erfahren. Aber auch körperlich kann Daniel abbauen, beispielsweise bei Stürzen oder Konfrontationen mit Monstern. Um sich schnell zu heilen, finden sich im Spiel immer wieder entsprechende Tränke. Alle Objekte, die man in der Spielwelt findet und die aufgenommen werden können, leuchten auf, wenn man sich in deren Nähe begibt. Sowohl die Getränke, als auch die Anzünder und Ölbehälter wandern automatisch in das Inventar, von wo aus sie bei Bedarf eingesetzt werden können. Sonstige eingesammelte Gegenstände werden ebenfalls in das Inventar aufgenommen und können dort kombiniert oder von dort aus auf Hotspots angewendet werden. Um sich mit der Steuerung und Physik-Engine schnell vertraut zu machen, bietet das Spiel ein kleines Tutorial, das sich beim Start eines neuen Spieles aktiviert. Etwas unglücklich gelöst ist die Speicherfunktion, da man grundsätzlich nicht frei speichern kann und nur gelegentlich, an bestimmten Punkten, Autosaves angelegt werden. Auf der anderen Seite ist es auch so, dass man im Spielverlauf zwar sterben kann, das Spiel aber im selben Spielbereich direkt weitergeht und man dabei auch keine Inventargegenstände oder Spielfortschritte verliert. Trotz der komplexen Engine lief das Spiel mit dem Patch absolut einwandfrei.


Zusammenfassung

Mit „Amnesia“ bieten die Entwickler Frictional Games dem geneigten Spieler wieder Nervenkitzel vom Feinsten. Kaum ein Adventure vermag ein so intensives Spielerlebnis mit starkem Herzklopfen und schwitzenden Händen zu vermitteln. Die 1st-Person-Perspektive und die eingesetzte Physik-Engine sind, wie auch schon in der Penumbra-Reihe, ein nahezu ideales Paket für diese Art von Grusel- und Horroradventures. Ausschlaggebend für die Atmosphäre ist aber auch die eindrucksvolle Soundkulisse, die den Puls des Spielers mit verängstigenden Hintergrundgeräuschen und mit beklemmender Musik immer wieder hochtreibt. Der Schwerpunkt des Spieles liegt im Erkunden des düsteren Schlosses und im Zusammensetzen der Geschichte, die in erster Linie über Schriftstücke und Erinnerungen des Hauptakteurs transportiert wird. Viele der Aufgaben sind klassische Inventar- oder Kombinationsrätsel und gelegentlich wird auch die Physik-Engine als Basis für Rätsel herangezogen. Gesteuert wird das Adventure über eine Kombination aus Tastatur- und Maussteuerung, die aber einfach zu handhaben ist. Da es im Spiel gelegentlich auch Monster oder ähnliche Bedrohungen gibt, ist auch etwas Action (z.B. in Form von Fluchtsequenzen) hinzunehmen, was aber oft eben für entsprechende Schreckmomente und Panik sorgt. Über die Spieldauer von etwa 10-15 Stunden wird dem Spieler ein spannungsgeladenes Spielerlebnis geboten, wie man es selten in Adventurespielen findet. Entsprechend ist dieser Titel nichts für Spieler mit schwachen Nerven, aber Fans solcher Spiele werden voll auf Ihre Kosten kommen.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Frictional Games
Publisher Game Homepage
Plattform/Platform DOWNLOAD
Perspektive/Perspective 1st-Person
Steuerung/Control Tastatur + Maus
Altersfreigabe/Rating keine Angabe
Anmerkungen/Remarks mit Patch v1.0.1 getestet


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