Review zu "Tales of Monkey Island"

Guybrush Threepwood, mächtiger Pirat, ist endlich wieder zurück. Etwa zehn Jahre nach dem Erscheinen des zunächst letzten Teiles „Flucht von Monkey Island“ und dem Ausstieg von Lucas Arts aus dem Adventuregenre, brachte Telltale Games die lange erhoffte Fortsetzung auf die Bildschirme. Unter dem Titel „Tales of Monkey Island“ wurden bereits 2009 insgesamt fünf Episoden in englischer Sprache veröffentlicht. Inzwischen brachte der Publisher Daedalic Entertainment das Spiel als voll lokalisierte Boxed Edition auch in den deutschsprachigen Raum.

Verpackung, Handbuch und Installation

Verpackt sind die „Tales of Monkey Island“ in einem flachen Karton mit Klappdeckel, der in einer DVD-Box die Spiel-DVD und das gedruckte Handbuch beinhaltet. Letzteres bietet auf etwa 14 Seiten neben Informationen zur Handhabung des Spiels auch eine kurze Einleitung, einen Rückblick auf die bisherigen Abenteuer von Guybrush Threepwood und eine Vorstellung der wichtigsten Charaktere. Sonstige Beigaben (wie zum Beispiel ein Bananenpflücker) finden sich leider keine in der Verpackung, allerdings findet sich auf der Spiel-DVD einiges an Bonusmaterial, darunter Artworks, Videos, Wallpapers oder Avatare. Die Installation des Spieles verlief problemlos und so wurden etwa 1,49GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Nach dem Start des Spieles gelangt man in ein übergeordnetes Menü, von dem aus man separat die fünf einzelnen Episoden des Spieles starten kann, von denen dann jede ihr eigenes Hauptmenü hat. Dort können Optionen wie Lautstärken, Grafikdetails, Auflösung, Bildqualität, Untertitel oder die Hinweishäufigkeit (Hilfe) eingestellt werden. Unpraktisch dabei ist, dass die Einstellungen in jeder Episode separat vorgenommen werden müssen, aber das ist nicht weiter schlimm.

Story und Rätsel

Die „Tales of Monkey Island“ teilen sich in 5 Episoden, die man in diesem Falle aber auch als Kapitel betrachten kann, die inhaltlich aneinander anknüpfen. Es wurden dabei die englischen Originaltitel der Episoden beibehalten, die wie folgt lauten: „Launch of the Screaming Narwhal“, „The Siege of Spinner Cay“, „Lair of the Leviathan“, „The Trial and Execution of Guybrush Threepwood“ und „Rise of the Pirate God“. Obwohl die einzelnen Kapitel inhaltlich und auch von den Locations her sehr unterschiedlich sind, stehen sie trotzdem inhaltlich in Verbindung und erzählen ein spannendes und zudem extrem humorvolles Piratenabenteuer. Alles beginnt damit, dass Guybrush Threepwood seine Elaine wieder mal aus den Klauen des Zombie-Piraten LeChuck befreien möchte. Dabei läuft aber etwas schief und LeChuck verwandelt sich in einen Menschen. Gleichzeitig gehen aber böse Voodoo-Kräfte auf Guybrush über, die zunächst nur seine Hand kontrollieren, bald aber zu einer Bedrohung für die gesamte Karibik werden. Guybrush muss sich dringend etwas einfallen lassen, um diesen Fehler wieder auszubügeln. Sein Abenteuer führt ihn über verschiedene Inseln, das Innere einer Riesen-Seekuh bis in das Reich der Toten. Keine Frage, dass er dabei nach und nach auf viele alte Bekannte trifft, allerdings gibt es auch völlig neue Charaktere, darunter die Piratenjägerin Morgan LeFlay.

Die Story ist spannend, humorvoll, abgedreht, zuweilen etwas skurril und fügt sich hervorragend an die früheren Monkey Island Spiele an. Lange hofften die Fans auf eine Fortsetzung von Monkey Island und die Messlatte lag extrem hoch, wodurch sich die Entwickler besonders viele Gedanken und vielleicht Sorgen machen mussten. Eines kann man aber jetzt schon ganz klar sagen, das Spiel ist eine mehr als würdige Fortsetzung der Reihe und man erkennt deutlich, dass manche der Köpfe hinter den früheren Spielen auch bei „Tales of Monkey Island“ wieder mitgewirkt haben. Schon nach wenigen Spielminuten fühlt man wieder voll das ganz besondere Monkey Island Flair und freut sich auf neue Abenteuer mit Guybrush. Rätseltechnisch zeigt sich das Spiel abwechslungsreich und zugleich anspruchsvoll, wenngleich auch nicht übertrieben schwer. Die oftmals verketteten Rätsel betten sich sehr gut in den Spielverlauf ein, wobei den Schwerpunkt Objekt- bzw. Inventarrätsel bilden. Über eine Spieldauer von etwa 20-25 Stunden (ca. 4-5 Stunden pro Episode) bietet „Tales of Money Island“ ein unbeschwertes, humorvolles und spannendes Abenteuer.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch wurde das Spiel sehr ansprechend komplett in 3D umgesetzt und bietet abwechslungsreiche Locations in farbenfroher Gestaltung. Zugunsten der Performance wurde wohl auf üppige Details verzichtet, aber das ist völlig in Ordnung so und wird durch diverse Hintergrundanimationen wieder wettgemacht. Auch die Charaktere, darunter viele aus früheren Teilen bestens bekannte, sind toll umgesetzt und überzeugen mit ihrer Mimik und Gestik. Diverse Zwischensequenzen, auch komplett in 3D gehalten und somit nahtlos in den Spielverlauf eingebettet, runden den optischen Eindruck ab. Das Highlight des Spieles ist jedoch die Musik, die auch einen wesentlichen Beitrag zum Monkey Island Flair leistet. Natürlich ist auch das bekannte musikalische Hauptthema aus den früheren Monkey Island Spielen mit dabei und man ertappt sich dabei, noch Tage nach dem Spielen verschiedene Monkey Island Melodien zu pfeifen. Auch hinsichtlich der Lokalisierung und der deutschen Sprachausgaben kann das Spiel voll überzeugen. Schön ist auch die Tatsache, dass für Guybrush Threepwood wieder die bekannte Stimme aus den früheren Spielen verpflichtet werden konnte.


Gameplay

Gesteuert wird Guybrush Threepwood aus der 3rd-Person-Perspektive wahlweise mit der Maus oder der Tastatur. Leider aber sind beide Steuerungsarten sehr unkomfortabel umgesetzt und trüben etwas den ansonsten unbeschwerten Spielspaß. Die normalen Point&Click-Funktionen über die Maus sind eigentlich gut gelungen, aber das Bewegen der Spielfigur mit der Maus ist einfach nicht praxistauglich. Es muss die linke Maustaste gedrückt und gehalten werden, um über die Bewegung der Maus die Richtung der Bewegung vorzugeben. Dazu wird ein Kreis mit einem Richtungspfeil um die Spielfigur herum angezeigt. Alternativ kann die Spielfigur auch über die Tastatur (WASD) bewegt werden, was noch halbwegs gut funktioniert. Um Guybrush zum Laufen zu bewegen, muss dann noch eine zusätzliche Taste gedrückt werden. Allerdings bei jedem Bildwechsel muss diese Taste losgelassen und erneut gedrückt werden, um Guybrush am Laufen zu halten. Dies ist umständlich, besonders in Spielabschnitten, wo Labyrinths mehrfach durchlaufen und durchsucht werden müssen. Aufgenommene Gegenstände landen im Inventar, wo sie bei Bedarf auch kombiniert werden können. Auch diese Funktion ist unnötig umständlich gestaltet, da man erst die beiden gewünschten Gegenstände in separate Fächer legen muss, um dann auf einen Knopf zum Kombinieren zu drücken. Der aktuelle Spielstand kann jederzeit frei gespeichert werden und es werden die Savegames für jede Episode getrennt abgelegt. Technisch funktionierte das Spiel über alle fünf Episoden hinweg absolut einwandfrei.


Zusammenfassung

Mit „Tales of Monkey Island“ haben Telltale Games eine mehr als würdige Fortsetzung der Monkey Island Abenteuer geschaffen und schon nach wenigen Spielminuten spürt man wieder das besondere Flair. Die fünf Episoden knüpfen direkt aneinander an und lassen den Spieler in spannende und humorvolle Abenteuer eintauchen. Trotz der direkten Verknüpfung der einzelnen Episoden, erzählt jede Episode in sich auch eine abgeschlossene Geschichte, was für viel Abwechslung sorgt. Grafisch präsentiert sich das Spiel über viele Locations mit farbenfrohen 3D-Grafiken und stimmigen Charakteren. Ein wahres Highlight sind die tollen Musikstücke, die wesentlich zur Atmosphäre beitragen und sogar das Monkey Island Hauptthema ist wieder zu hören. Ergänzt wird der gute Eindruck durch die stimmigen deutschen Sprachausgaben und für Guybrush Threepwood kam sogar wieder die Originalstimme aus den früheren Monkey Island Spielen zum Einsatz. Einziger Wermutstropfen ist die schwache Steuerung, die unnötig den Spielspaß trübt. Man kann die Charaktere wahlweise mit der Maus oder der Tastatur bewegen, aber beide Steuerungsarten sind nicht wirklich komfortabel. Trotzdem bietet das Spiel über die Spieldauer von etwa 20-25 Stunden (ca. 4-5 Stunden pro Episode) sehr gute Unterhaltung, die sich kein Adventurefan entgehen lassen sollte. Optimal ist es natürlich, wenn man zuvor bereits alle früheren Spiele der Monkey Island Reihe gespielt hat. Wer das noch nachholen will, wird mit viel Humor und einer beeindruckenden Reise durch die Entwicklung des Adventuregenres belohnt.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Telltale Games
Publisher Daedalic Entertainment
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Maus + Tastatur
Altersfreigabe/Rating USK0
Anmerkungen/Remarks deutsch (alle 5 Episoden in einer Box)


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