Review zu "Darkstar – The Interactive Movie"

Über stolze 10 Jahre hinweg hat J. Allen Williams mit seinem Parallax Studio am Independent-Projekt „Darkstar“ gearbeitet, bis im November 2010 dann endgültig die Zeit für die Veröffentlichung reif war. Endlich mal wieder ein FMV-Adventure, das von vielen Anhängern dieser besonderen Art von Adventures bereits sehnlichst erwartet wurde. Mit diesem Projekt haben sich die Macher trotz der vielen Arbeit laut eigenen Angaben einen Traum erfüllt. Allein mit seinen etwa 13 Stunden an Filmmaterial ist „Darkstar“ der bisher wohl umfangreichste Titel seiner Art.

Verpackung, Handbuch und Installation

Neben dem Spiel selber können optional noch verschiedene Darkstar-Artikel bestellt werden, darunter der komplette Soundtrack (auf 2 CDs), Darkstar T-Shirts, eine ausführliche Komplettlösung oder signierte Hochglanzbilder (Drucke) der Darsteller. Möchte man gleich alles zusammen zum günstigen Paketpreis erstehen, bietet sich die sogenannte „Captain´s Box“ an. Das Spiel selber befindet sich in einer großen DVD-Box mit 2 Dual-Layer DVDs, was schon den enormen Umfang des Spieles erahnen lässt. Ein kleines Beiblatt vermittelt auf knappen 3 Seiten grundlegende Informationen zum Spiel. Weitere Details zur Handhabung können dann über das Hauptmenü im Spiel selber aufgerufen werden. Aufgrund der enormen zu installierenden Datenmenge von etwa 14,2GB, kann die Installation schon etwas dauern. In dieser Zeit kann man in Ruhe die anderen Artikel aus der Captain´s Box bewundern, sofern man diese bestellt hat. Die Installation auf dem PC verlief absolut problemlos und neben dem Spiel selber wurde auch die vom Spiel benötigte QuickTime-Software installiert. Über das Hauptmenü können die Spieloptionen geöffnet werden, in denen drei verschiedene Lautstärken eingestellt werden können. Darüber hinaus gelangt man über das Hauptmenü auch zum enthaltenen Bonusmaterial mit einem elektronischen Buch zur Produktion des Spiels, verschiedenen Internet-Links und mehreren Videos, darunter auch ein längeres Video mit einigen lustigen Szenen und Outtakes aus der Produktion. Das Spiel kann übrigens sowohl auf einem PC als auch auf einem MAC installiert werden.

Story und Rätsel

Darkstar erzählt über die bevorstehende Auslöschung der Menschheit und wie die Crew an Bord des Raumschiffes Westwick dies im letzten Moment noch verhindern soll. Gespielt wird dabei eigentlich nur der letzte Tag einer Geschichte, die sich bereits über einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren erstreckt. In der Rolle des Captain John O´Neil wacht man in seiner Kryo-Kammer auf dem Raumschiff Westwick auf und kann mit seiner Umgebung zunächst gar nichts anfangen. Offenbar hat John O´Neil ganze 312 Jahre im Kryo-Schlaf gelegen und dabei wesentliche Teile seines Gedächtnisses verloren. Er macht sich auf, das Raumschiff zu erkunden und erhält dabei Stück für Stück mehr Informationen über sich und den Rest seiner Besatzung. Doch etwas scheint hier faul zu sein, da der Navigator Alan Burk mit abgetrennter Hand tot in seiner Kryo-Kammer liegt und der erste Offizier namens Ross Perryman ganz verschwunden ist. Darüber hinaus wurden große Teile der Datenbanken des Raumschiffes gelöscht und eines der Shuttles fehlt. Lediglich die Pilotin Paige Palmer liegt noch unversehrt in ihrer Kryo-Kammer, aber auch sie dürfte ihr Gedächtnis verloren haben. Weitere Nachforschungen an Bord ergeben, dass sich die Westwick auf einer Mission zum sogenannten Darkstar befand, der den Schlüssel zur Rettung der Menschheit bedeuten könnte. Scheinbar wurde die Westwick aber auf ihrer Reise beschädigt und trudelt seither unkontrolliert durch den Weltraum, wo sie jetzt in den Orbit des Planeten M33 Theta Alpha III eingetreten ist. Captain John O`Neil hat keine andere Chance, er muss die Westwick reparieren und seine Mission erfüllen. Dazu muss er das Raumschiff aber erst aus dem „Emergency Lockdown Modus“ bringen, was er durch das Entriegeln von insgesamt 10 sogenannten „Bioloks“ im Raumschiff erreichen kann. Erst danach kann er alle Grundfunktionen wieder herstellen und das verbleibende Shuttle für eine Landung auf dem Planeten nutzen, auf dem er dringend Wasser für die Kühlung des Raumschiffes aufnehmen muss und dabei eine böse Überraschung erlebt …

Mit jedem entriegelten „Biolok“ wird auch eine von insgesamt 10 Filmsequenzen der Hintergrundgeschichte freigeschalten, die zusammengenommen etwa 45 Minuten Spieldauer umfassen und ausführlich auch die Vorgeschichte behandeln. Hier nun eine kurze Zusammenfassung dazu (ggf. diesen Absatz überspringen und erst nach den Screenshots weiterlesen). Im Jahre 2118 setzt die Menschheit den „Weltfrieden“ durch und schickt alle verbleibenden Nuklearwaffen in unbemannten Raumschiffen hinaus in das Weltall. Von den meisten Menschen bereits vergessen, kollidiert eines dieser Raumschiffe noch im selben Jahr mit einem Asteroiden und es bildet sich durch die Detonation der Nuklearwaffen ein anmutiger Himmelskörper, der fortan Darkstar genannt wird. Fast unberührt davon geht das Leben auf der Erde weiter, allerdings gefährden Kriminelle zunehmend den neuen Weltfrieden. Kurzerhand wird im Jahre 2120 auf dem fernen Planeten Mars die Gefängniskolonie „Purgatory“ gebildet, in die alle Kriminellen der Erde verfrachtet werden, was sich zunächst auch zu bewähren scheint. Bei einer Expedition zum Darkstar im Jahre 2125 machen die Menschen eine faszinierende Entdeckung. Scheinbar ist Darkstar eine Art von Zeitloch, das alles Eingesaugte zurück in das Jahr 2118 verfrachtet, das Jahr in dem es entstanden ist. In der Gefängniskolonie „Purgatory II“ auf dem Mars gibt es 2134 eine umfassende Rebellion, bei der viele Menschen getötet werden. Die Erdbewohner geben daraufhin die Gefängniskolonie auf dem Mars auf, ahnen dabei aber nicht, dass entgegen ihrer Erwartungen die Kriminellen dort überleben konnten und sich für einen Angriff auf die Erde rüsten. Nicht ganz ohne Hintergedanken, da sie dringend kostbares Wasser von der Erde benötigen, was sie im Jahre 2184 auch unmissverständlich an die Erdbewohner kommunizieren. Ein Krieg zwischen den Kriminellen vom Mars und den Erdbewohnern ist unausweichlich. Da die Menschen der Erde inzwischen aber weitestgehend abgerüstet haben, können sie sich nicht lange gegen die skrupellosen Angreifer vom Mars verteidigen und am 07.07.2185 wird die Erde dann durch die Mars-Armada endgültig ausgelöscht. Aber es gibt noch eine letzte Hoffnung, da auf der geheimen Mondbasis Phoenix (nahe dem „Meer der Ruhe“) noch eine letzte Kolonie der Menschheit überlebt hat. Sie bauen insgesamt 4 Raumschiffe, die Northstar, die Southwind, die Eastmoor und die Westwick. Alle vier Schiffe werden mit der Botschaft über des bevorstehende Ende der Erde und der Menschheit losgeschickt, in der Hoffnung, dass sie Darkstar erreichen und durch eine Reise zurück in das Jahr 2118 die Erdbewohner rechtzeitig warnen können …

Obwohl eigentlich nur ein kleiner Teil der Geschichte spielbar ist, bietet Darkstar in seiner Gesamtheit eine durchaus spannende und interessante Science-Fiction-Story. Besonders die Filmsequenzen mit der Hintergrundgeschichte sind hervorragend inszeniert, aber auch die unzähligen Sequenzen mit den Schauspielern direkt im Spielgeschehen gefallen gut. Die Handlung des Spiels ist mit wenigen Ausnahmen weitestgehend linear, allerdings gibt es knapp 30 Situationen, in denen man schon früher als erwartet das Zeitliche segnen kann. Dazu gibt es dann jeweils individuelle Videos über das Ableben von Captain John O´Neil. Rätseltechnisch bietet das Spiel eher einfache Kost. Die Hauptaufgabe besteht eher darin, das nächste Rätsel zu finden, was zugleich auch ein kleiner Kritikpunkt ist, mehr dazu im Abschnitt Gameplay. Typische Aufgaben neben dem Erkunden des Raumschiffes und dem Auffinden von benötigten Gegenständen sind das Betätigen von diversen Schaltern, die Eingabe von Codes oder das Durchwandern eines Labyrinths. Inventar- oder Objekträtsel gibt es eigentlich keine, da die im Inventar befindlichen Gegenstände je nach Situation automatisch angewendet werden. Das Spiel ist derzeit nur in englischer Sprache erhältlich und nachdem es keine Untertitel bietet, sollte man zum Verständnis der umfangreichen Story unbedingt über gute Englischkenntnisse verfügen, um das Spiel voll genießen zu können. Die Spieldauer beträgt etwa 20 Stunden, in denen man ansprechende Unterhaltung geboten bekommt. Aufgrund des Bonusmaterials, diverser Easter-Eggs und generell der vielen versteckten Details kann man sich aber bis zu 30 Stunden und mehr mit dem Spiel beschäftigen. In erster Linie dürfte das Spiel die Fans der FMV-Adventures und von interaktiven Filmen ansprechen. Vergleichbare Titel sind etwa „The Daedalus Encounter“ oder „Dark Side of the Moon“, die aber beide nicht annähernd an Darkstar herankommen.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Mit etwa 13 Stunden an Filmmaterial ist Darkstar das bisher wohl umfangreichste FMV-Adventure. Dazu wurden die Schauspieler im Studio aufgenommen und dann in computergenerierte Umgebungen eingebunden. Den Videos kennt man zwar klar die Komprimierung an, aber aufgrund des enormen Umfanges des Spieles war das wohl unumgänglich und ist auch nicht weiter störend. Besonders die insgesamt knapp 45 Minuten an Filmsequenzen, welche die Hintergrundgeschichte erzählen, sind hervorragend gemacht. Noch mehr als die realen Schauspieler bestechen aber die computergenerierten Grafiken in den Filmsequenzen. Auch hier zeigt sich, mit wie viel Enthusiasmus und Liebe zum Detail hier gearbeitet wurde. Im Spiel selber kommt die QTVR-Technik (QuickTime Virtual Reality) zum Einsatz. Das sind vorgerenderte Panoramabilder, in denen man sich durch eine entsprechende Mausbewegung frei in alle Richtungen umsehen kann. Zudem kann man bei Bedarf auch noch in Details hineinzoomen. Wie schon in den Filmsequenzen zeigen sich auch hier hervorragend gemachte, computergenerierte Grafiken. Natürlich sind auch die Wechsel zu anderen Standorten immer voll animiert. Ein kleiner Schönheitsfehler an dieser Stelle ist jedoch die Tatsache, dass es zwischen den Panoramabildern und den Bewegungsanimationen deutliche Unterschiede in der Helligkeit gibt, was etwas störend wirkt. Ein weiteres Highlight ist der abwechslungsreiche Soundtrack, der mit 38 Titeln gleich zwei Audio-CDs füllt. Die Titel bewegen sich in einem breiten Spektrum von melancholischen und ruhigen Themen bis hin zu Hardrock-Titeln. Die Sprachausgaben der Schauspieler sind gut, aber wie zuvor schon erwähnt, sollte man zum einwandfreien Verständnis über gute Englischkenntnisse verfügen. Besonders hervorgehoben werden sollte an dieser Stelle noch die hervorragende Leistung des inzwischen leider verstorbenen Peter Graves als Sprecher, der die verschiedenen Ereignisse im Spiel kommentiert.


Gameplay

Gesteuert wird das Spiel aus der 1st-Person-Perspektive, wobei man sich immer zwischen den verschiedenen Punkten mit den Panoramaansichten bewegen kann. Zur Steuerung wird lediglich die Maus benötigt und das Interface ist denkbar einfach gehalten. An Stellen mit aneinandergrenzenden Hotspots kann man leider nicht immer klar ausmachen, was man schon untersucht hat und was nicht. Hier wäre eine differenziertere Anzeige oder eine Beschriftung der Hotspots durchaus hilfreich gewesen. Alternativ hätte auch eine Hotspot-Taste dieses Problem elegant umgehen können. Zur besseren Orientierung bietet das Spiel eine Karte für jedes Deck des Schiffes, allerdings nur als Anzeige und nicht mit Sprungfunktion. Eine Schwachstelle des Spieles ist die Tatsache, dass der Spieler besonders in der ersten Hälfte des Spiels zu wenig geführt wird und dadurch teilweise etwas planlos das Raumschiff durchstreifen muss. Ein wesentlich schwerwiegenderer Kritikpunkt sind aber die häufigen Aufhänger oder Abstürze des Spiels. Manchmal frieren einfach die Videos mit den Übergangssequenzen ein und man kann nicht mehr spielen. In diesem Fall muss man das aktuelle Spiel beenden und einen Spielstand laden. Manchmal hat sich das Spiel aber mit Fehlermeldung auch ganz verabschiedet. Aus diesem Grund und natürlich auch wegen der möglichen Game-Overs sollte man den Spielstand regelmäßig abspeichern. Normalerweise wird der aktuelle Spielstand immer in nur einem Profil abgespeichert. Hier emfiehlt es sich, gelegentlich auch die Funktion „Save as“ zu nutzen, um mehrere verschiedene Spielstände gespeichert zu haben.


Zusammenfassung

Darkstar bietet eine ganz besondere Spielerfahrung, die besonders auch die Anhänger der FMV-Adventures aus den frühen 90er-Jahren ansprechen dürfte. Mit über 13 Stunden an Filmmaterial und gut 14GB an Daten dürfte es wohl das bisher umfangreichste Spiel seiner Art sein. Trotz des enormen Umfanges erkennt man in jeder Szene aber den Enthusiasmus und die Liebe zum Detail, mit der das Spiel in über 10 Jahren entstanden ist. Die spannende und interessante Science-Fiction-Story erzählt über die bevorstehende Auslöschung der Menschheit und nur die Crew des Raumschiffes Westwick kann dies noch verhindern. Grafisch besticht das Spiel mit tollen Filmsequenzen, bei denen reale Schauspieler in hervorragend computergenerierten Szenen agieren. Im Spiel selber kommt die QTVR-Technik (QuickTime Virtual Reality) zum Einsatz, mit der sich der Spieler an den einzelnen Standorten frei umsehen und sogar zoomen kann. Verstärkt wird das Spielerlebnis durch den tollen Soundtrack, der mit 38 abwechslungsreichen Titeln perfekt auf das Bildmaterial passt. Rätseltechnisch bietet das Spiel eher einfache Kost und baut mehr auf seine Stärken als interaktiver Film. Die Schwachpunkte des Spieles sind die unzureichende Führung des Spielers und insbesondere die regelmäßigen Aufhänger. Trotzdem bietet das Spiel mit seiner Spieldauer von etwa 20 Stunden sehr gute Unterhaltung. Aufgrund des Bonusmaterials, diverser Easter-Eggs und generell der vielen versteckten Details kann man sich 30 Stunden und mehr mit dem Spiel beschäftigen.

English Summary

Darkstar provides a great and unique gaming experience, which specially will impress fans of the FMV adventures popular in the early 1990s. Featuring about 13 hours of video material and not less than 14GB of data this game must be the most extensive of its kind. But even with this huge amount of content, in each scene you still can see the enthusiasm and lovingly work, which the game was created with throughout the past 10 years. The thrilling and interesting science fiction story tells about the end of our home planet earth and the imminent extinction of the human race. The crew of the spaceship Westwick is the last chance for mankind to survive. In terms of graphics the game features real actors in simply outstanding computer-generated environments. In-game the QTVR (QuickTime virtual reality) technology is used, which provides a 360 degree panoramic view with zoom function. Another highlight, adding to the overall experience, is the great soundtrack, which comes up with 38 titles in big variety and perfectly matching the visual content. Regarding the puzzles and tasks the game is not demanding at all, mainly focusing on being an interactive movie rather than a hardcore puzzling adventure game. Besides providing not enough guidance for the player especially in the beginning of the game, one major issue was the frequent crashing or freezing of the game. Nevertheless, in summary the game provides a great gaming and interactive movie experience. It takes about 20 hours to complete the game, but considering the bonus material, the Easter eggs and other hidden details you may spend 30 hours and more exploring Darkstar.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Darkstar Homepage
Publisher Darkstar Store
Plattform/Platform PC or MAC (DVD)
Perspektive/Perspective 1st-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating ESRB "M"
Anmerkungen/Remarks derzeit nur in Englisch erhältlich


Kommentare zum Review / Comments on the Review