Review zu "Black Mirror 3" (mit Patch v1.01)

Nach „Black Mirror: Der dunkle Spiegel der Seele“ (Future Games, 2004) und „Black Mirror 2“ (Cranberry Production, 2009) soll mit dem dritten Teil diese Adventure-Reihe nun abgeschlossen werden. Die Ereignisse knüpfen direkt an das Ende des zweiten Teiles an und die Handlung spielt sich diesmal ausschließlich in der näheren Umgebung von Black Mirror Castle ab. Hinsichtlich der technischen Umsetzung haben Cranberry Production an der bewährten Engine festgehalten, die sich mit 3D-Charakteren auf 2D-Hintergründen präsentiert. Freigegeben ist das Spiel ab 16 Jahren (USK).

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einem Karton mit Klappdeckel, welcher die DVD-Box mit der Spiel-DVD und dem gedruckten Handbuch beinhaltet. Letzteres vermittelt auf etwa 42 Seiten sehr ausführlich und gut bebildert alle wichtigen Informationen zum Spiel. Die Installation verlief problemlos und es wurden insgesamt 3,75GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Schon kurz nach der Veröffentlichung des Spieles ist ein Patch auf die Version v1.01 erschienen, der den so genannten Mitternachts-Bug behebt, durch den das Spiel nach Mitternacht technische Probleme macht. Es empfiehlt sich dadurch auf jeden Fall, sich auf der Homepage des Spiels den aktuellsten Patch zu besorgen und gleich zu installieren. Beim Spielstart und auch über den gesamten Spielverlauf muss die Spiel-DVD im Laufwerk verbleiben, worauf auch das Handbuch nochmals ausdrücklich hinweist. Über das Hauptmenü können diverse Einstellungen zur Grafik und zum Sound vorgenommen werden, welche im Handbuch genauer erläutert werden. Darüber hinaus finden sich in den Optionen auch die Einstellungen für die umfangreichen Spielhilfen. Man kann sich darüber automatische Tipps zur Steuerung einschalten, die Hotspot-Anzeige freischalten und zusätzliche Spielhilfen aktivieren. Im Spielverlauf freigeschaltenes Bonusmaterial kann im Hauptmenü über den Punkt „Extras“ geöffnet und beliebig oft betrachtet werden.

Story und Rätsel

Die Handlung des dritten Teiles knüpft direkt an das Ende des zweiten Teiles an. Mit einer brennenden Fackel in der Hand läuft der offensichtlich verwirrte Darren Michaels zurück zum in Flammen stehenden Black Mirror Castle, aus dem er kurz zuvor geflüchtet war. Dort wird er von der Polizei aufgegriffen und verhaftet, da er unter diesen Umständen natürlich dringend tatverdächtig ist. Kaum verwunderlich, dass ihm der ermittelnde Inspektor seine Geschichte um den Fluch der Familie Gordon nicht abnimmt und sich über Darren lustig macht. Nach drei Wochen im Gefängnis kommt Darren zumindest vorläufig wieder frei, da ein Unbekannter überraschend die Kaution für Darren bezahlt hat. Er muss diese Chance nutzen, dem Geheimnis um Black Mirror Castle auf den Grund zu gehen und endgültig seine Unschuld zu beweisen. Besonders in den ersten drei der insgesamt sechs Kapitel wird über eine interessante und stimmige Geschichte Spannung aufgebaut, die aber über die folgenden Kapitel nicht gehalten werden kann. Die Geschichte wird nämlich immer unglaubwürdiger und abstrus, wodurch man letztendlich keinen durchgehend überzeugenden Abschluss dieser Adventure-Reihe erlebt. Rätseltechnisch hingegen ist das Spiel durchaus anspruchsvoller als der zweite Teil. Erfahrene Adventurespieler werden sich durchwegs wohl und eventuell leicht gefordert fühlen, Genreeinsteiger hingegen könnten gelegentlich ins Schwitzen geraten, besonders gegen Ende des Spieles, wo der Schwierigkeitsgrad der Rätsel spürbar zunimmt. Den Schwerpunkt der Aufgaben bilden Inventar- und Objekträtsel, aber auch andere Rätselarten, welche die grauen Zellen etwas mehr fordern, sind im Spiel zu finden. Leider fügen sich manche dieser Rätsel nicht optimal in den Spielverlauf ein und wirken aufgesetzt, um die Spieldauer zu strecken. Darunter fallen auch einige zu stark verkettete Rätsel. Trotzdem bietet „Black Mirror 3“ über die Spieldauer von etwa 20 Stunden (ohne Verwendung der optionalen Spielhilfen) gute und spielerisch durchaus anspruchsvolle Unterhaltung.


Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch präsentiert sich das Spiel wieder mit 3D-Charakteren auf gerenderten 2D-Hintergründen, umgesetzt auf der gleichen Grafik-Engine wie bereits im zweiten Teil der Reihe. Die Locations wurden liebevoll und mit hohem Detailgrad umgesetzt, wie die nachfolgenden Screenshots verdeutlichen. Diesmal erstreckt sich die Handlung allerdings nur auf die nähere Umgebung von Black Mirror Castle, wodurch es nicht ganz so viel Abwechslung bei den etwa 62 Locations gibt. Viele der Locations sind zudem bereits aus den früheren Teilen bekannt und wurden nur aus anderen Blickwinkeln dargestellt. Belebt werden die teils düsteren Hintergründe durch diverse Hintergrundanimationen. Besonders die gelungenen Wettereffekte wie Regen oder Nebelschwaden sind hervorzuheben. Zudem ändern sich die Locations abhängig von der Tageszeit. Gleich wie die Hintergründe zeigen sich auch die 3D-Charaktere in ausgesprochen hoher Qualität und es gibt auch einige spezielle Animationen für besondere Aktionen. Abgerundet wird der visuelle Eindruck von mehreren vorgerenderten Videosequenzen, die gut in den Spielverlauf eingebettet sind. Soundtechnisch wird der Spieler von stimmigen Hintergrundgeräuschen sowie atmosphärischen Musikstücken und Soundeffekten verwöhnt. Die Sprachausgaben sind wieder von sehr guter Qualität, besonders gut agiert der Sprecher für Darren, wenn in seinen Wutanfällen aus Darren der böse Mordred spricht.


Gameplay

Gesteuert wird der Hauptakteur Darren Michaels aus der 3rd-Person-Perspektive mit einem sehr komfortablen Point&Click-Interface. Im letzten Kapitel des Spieles müssen dann sogar 2 Charaktere abwechselnd gespielt werden, um in Kooperation diverse Aufgaben zu lösen. Die zahlreichen Hotspots werden über den Mauscursor klar angezeigt und wenn man befürchtet, etwas übersehen zu haben, kann man sich mit Hilfe der Hotspot-Tasten helfen lassen. Schön ist auch die Tastsache, dass Darren zu allen Hotspots stimmige Kommentare abgeben kann und alle nicht (mehr) spielrelevanten Hotspots automatisch verschwinden, sobald sie genutzt oder zumindest untersucht wurden. Einhergehend mit den vielen Hotspots gibt es im Spiel auch viele Gegenstände einzusammeln, die übersichtlich im Inventar am unteren Bildschirmrand verwaltet werden. Sehr gelungen ist dabei auch die Einbindung des Mausrades, über welches die an den Spielcursor gehefteten Inventargegenstände schnell über Hotspots durchgescrollt und angewendet werden können, wodurch man sich langes Herumprobieren ersparen kann. Wenn einem Darren in seiner Bewegung nicht schnell genug ist, kann man Szenen über einen Doppelklick umgehend verlassen oder über die eingebaute Kartenfunktion die Schauplätze sogar direkt wechseln. Diese Karte wird im späteren Spielverlauf übrigens auch noch Teil eines wichtigen Rätsels. Selbstverständlich gibt es auch wieder ausführliche Dialoge zu führen, wobei die Gesprächsthemen als kleine Icons am unteren Bildschirmrand angezeigt und dort vom Spieler angewählt werden. Der aktuelle Spielstand kann über das komfortable Speicher- bzw. Lademenü abgelegt werden und es gibt zudem noch eine Schnellspeichertaste, was sehr praktisch ist. Weiters bleibt zu erwähnen, dass man an manchen Stellen im Spiel durch unüberlegte Aktionen das Zeitliche segnen kann. Das ist aber nicht weiter schlimm, da das Spiel automatisch und unmittelbar vor dem begangenen Fehler eine Sicherung des Spielstandes anlegt. Besonders hilfreich für Genre-Einsteiger sind auch die großzügig implementierten Spielhilfen, wie das Anzeigen von Tipps zur Steuerung oder ein Panik-Schalter bei den wenigen Minispielen. Insgesamt sind die Spielsteuerung und das Gameplay an sich sehr gut durchdacht und somit vorbildlich, ebenso wie die Tatsache, dass dieses Adventure (mit dem Patch v1.01) technisch absolut einwandfrei funktionierte.


Zusammenfassung

Auch mit „Black Mirror 3“ ist den Entwicklern wieder ein überzeugendes Adventure gelungen, das aber insgesamt nicht ganz an den zweiten Teil herankommt. Zwar ist der dritte Teil rätseltechnisch und spielerisch anspruchsvoller, zeigt dadurch zugleich aber auch manche Längen. Zudem wird die Story nach einem eigentlich vielversprechenden Anfang in den ersten drei der insgesamt sechs Kapiteln gegen Ende zunehmend schwächer und eine Spur zu abstrus. Trotzdem wird über die Spieldauer von etwa 20 Stunden (ohne Verwendung der optionalen Spielhilfen) gute Unterhaltung geboten, die teilweise etwas dialoglastig ist. Rätseltechnisch überwiegen klar die inventar- bzw. objektbezogenen Aufgaben, allerdings finden sich auch diverse andere Rätseltypen im Spiel. Für erfahrene Adventurespieler dürfte der Schwierigkeitsgrad der Rätsel angenehm und teilweise leicht fordernd sein, jedoch könnten besonders Genreeinsteiger etwas ins Schwitzen kommen, wenn die Rätsel gegen Ende des Spieles komplexer werden. Wesentlicher Bestandteil der Atmosphäre im Spiel sind neben der Story natürlich auch die Grafiken und der Sound, wobei sich diesmal die komplette Handlung ausschließlich in der näheren Umgebung von Black Mirror Castle abspielt. Die gerenderten 2D-Hintergründe mit verschiedenen Hintergrundanimationen sind wieder detailreich und liebevoll gestaltet. Aber auch was die Animation der 3D-Charaktere angeht, haben die Entwickler ausgezeichnete Arbeit geleistet und nicht an Sonder-Animationen gespart. Eingebettet in den Spielverlauf finden sich auch mehrere vorgerenderte Videosequenzen. Untermalt werden die düsteren Locations von stimmigen Hintergrundgeräuschen und Musikstücken, welche die Spannung fördern. Die umfangreichen Sprachausgaben sind einwandfrei und die Sprecher passend besetzt. Technisch funktionierte das Spiel (mit dem Patch 1.01) absolut einwandfrei. Falls man die Black Mirror Reihe noch nicht kennt, empfiehlt es sich dringend, zunächst den ersten und zweiten Teil der Reihe zu spielen, um alle Zusammenhänge zu verstehen. Zusammenfassend ist Black Mirror eine der besten Adventure-Reihen überhaupt, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Cranberry Production
Publisher dtp Entertainment / Game Homepage
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK16
Anmerkungen/Remarks Patch erhältlich / Patch available


Kommentare zum Review / Comments on the Review