Review zu "Alternativa"

Die tschechischen Entwickler Centauri Production haben bereits mehrere Adventures veröffentlicht, darunter auch das sehr erfolgreiche Adventure „Memento Mori“. Auch mit ihrem aktuellen Titel „Alternativa“ beweisen die Entwickler wieder ein gutes Händchen für ein interessantes Setting. Zunächst war das Spiel nur online in englischer bzw. tschechischer Sprache verfügbar, wurde nun aber vom Publisher Peter Games komplett lokalisiert im deutschsprachigen Raum auf den Markt gebracht. Freigegeben ist das klassische Point&Click-Adventure ab 12 Jahren (USK).

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einem Hochglanz-Pappschuber mit Klappdeckel, in dem sich die DVD-Box mit der Spiel-DVD und dem gedruckten Handbuch befindet. Letzteres vermittelt auf etwa 18 Seiten alle wichtigen Informationen zum Spiel. Sonstige Zugaben sind keine enthalten. Die Installation des Spieles verlief problemlos und es wurden etwa 1,45GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Beim Spielstart wird kurz die DVD im Laufwerk überprüft. In den Optionen lassen sich neben den verschiedenen Lautstärken und dem 3D-Sound noch zahlreiche Grafikoptionen einstellen, darunter Bildformat, Antialiasing, Texturfilter, Mipmapping, Schatten, Shader und V-Sync. Weiters lassen sich dort auch die Untertitel und die Mausempfindlichkeit einstellen. Generell ist das Spiel durchaus fordernd was die Systemleistung angeht, darum muss man bei den Grafikoptionen einen guten Kompromiss suchen. Beim Start eines neuen Spieles muss man den Schwierigkeitsgrad festlegen, wobei ausdrücklich der Schwierigkeitsgrad „einfach“ zu empfehlen ist, da man dadurch inhaltlich absolut nichts verpasst. Im Prinzip werden dadurch nur die Hotspot-Taste, der Umfang der Anweisungen und das beliebige Wiederholen von Szenen nach „Game Overs“ gesteuert.

Story und Rätsel

Alternativa zeichnet eine düstere Zukunftsvision und spielt im Jahre 2045, wo multinationale Großkonzerne die Fäden ziehen und die Menschen zunehmend unterdrückt werden. Ausgangspunkt der Geschichte ist Prag, wo man in die Rolle von Richard Rocek schlüpft. An diesem Morgen wird er völlig unerwartet von den Wachrobotern am Eingang des Industriegebietes davon in Kenntnis gesetzt, dass er seinen Job verloren habe und das Industriegebiet nicht mehr betreten darf. Aber schlimmer noch, er muss den Wachrobotern ID-Karte aushändigen und auch seine Wertkarte für die Hochbahn wird sofort entladen. Er wird angewiesen, sich in die Slums zu begeben, da er so nicht mehr in den oberen Teil der Stadt darf. Richard kann das natürlich nicht hinnehmen und muss einen Weg finden, wieder in den oberen Teil der Stadt zu gelangen und dort Nachforschungen über die fragwürdigen Machenschaften der Firmen Endora und Theolex anzustellen. Schon bald gerät er in Kontakt mit dem „Widerstand“ und schließt sich dieser Bewegung auch umgehend an. In Zusammenarbeit mit Andrea Raskova vom Widerstand kommt er einer unglaublichen Bedrohung für die Freiheit der Menschen auf die Spur und um dies zu verhindern, muss er mit Andrea zur Endora-Firmenzentrale nach Brasilien reisen ...

Die Ausgangssituation und das Setting sind hochinteressant, leider aber kann das Spiel dieses Potential nicht voll ausnutzen und dümpelt eher seicht dahin. Irgendwie gelingt es nicht, den Spieler in die Spielwelt eintauchen zu lassen und so verbleiben auch sämtliche Charaktere eher farblos. Schon beim Einstieg in das Spiel wird deutlich zu wenig Hintergrundinformation vermittelt, was sich auch im Spielverlauf nicht wesentlich verbessert. Dazu kommt noch, dass die Story sehr konstruiert wirkt und teilweise nicht wirklich nachvollziehbar oder gar absurd ist. Zudem folgt nach einer Spieldauer von etwa 8 Stunden unerwartet das sehr abrupte Ende, das viele Fragen offen lässt und insgesamt nicht sonderlich zufriedenstellend ist. Abgesehen von einem Spielabschnitt, in dem es kurzzeitig zwei verschiedene Pfade gibt, ist der Storyverlauf weitestgehend linear. Rätseltechnisch bietet das Spiel überwiegend Inventar- und Kombinationsrätsel, die sich halbwegs gut in den Spielverlauf einfügen. Dazu kommen noch Aufgaben, bei denen Schlösser, Codes und Passwörter geknackt werden müssen, was teilweise durchaus etwas anspruchsvoller ist. Ein großer Schwachpunkt sind jedoch die vielen undurchsichtigen Trigger im Spiel. Viele der Aktionen (die eigentlich naheliegend erscheinen) können erst ausgeführt werden, wenn zuerst andere Bedingungen, die teilweise nicht einmal einen direkten Zusammenhang haben, erfüllt wurden. Zusammenfassend bietet das Spiel sowohl story- als auch rätseltechnisch eher nur durchschnittliche Unterhaltung.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch kann das Adventure mit schön gestalteten und detailreichen Hintergründen punkten. Die wesentlichen Bereiche, nämlich das Industriegebiet und die obere Stadt von Prag sowie die Firmenzentrale von Endora in Brasilien sind ansprechend umgesetzt und laden zum Erkunden ein. Gelegentliche Hintergrundanimationen beleben die ansonsten etwas einsam wirkenden Schauplätze zumindest etwas. Aufgelockert wird der Spielverlauf durch vorgerenderte Videos, die gelegentlich ablaufen und soweit gut gefallen. Im Gegensatz dazu sind die Animationen der Charaktere eher schwach ausgefallen und nur auf das Nötigste beschränkt, zudem fügen sich die Figuren nicht immer optimal in die Hintergründe ein. Bezüglich der Hintergrundmusik kann das Spiel in den ersten Spielabschnitten noch überzeugen, aber gegen Ende des Spieles wird es irgendwie immer ruhiger. Auch Hintergrundgeräusche kommen wenig zum Einsatz. Die deutschen Sprachausgaben hingegen sind sehr gut gelungen und wesentlich hochwertiger als die Sprachausgaben in der englischsprachigen Onlineversion des Spieles.


Gameplay

Gesteuert werden die Charaktere (es können kurzzeitig neben Richard nämlich auch andere Personen gespielt werden) aus der 3rd-Person-Perspektive mittels einer intuitiven Point&Click-Steuerung. Das übersichtliche Inventar wird bei Bedarf am oberen Bildschirmrand eingeblendet. Zum Auffinden der verschiedenen Hotspots kann die Hotspot-Taste eingesetzt werden, die allerdings nur im einfachen Schwierigkeitsgrad zur Verfügung steht. Alle zusammengetragenen Informationen werden im PDA von Richard gespeichert, wo es auch eine Datenbank mit Hintergrundinformationen gibt. Diese Datenbank fungiert allerdings nicht nur als optionale Informationsquelle, sondern das Lesen bestimmter Einträge löst auch diverse Trigger im Spiel aus. Um sich schneller durch die Spielwelt bewegen zu können, gibt es eine Kartenfunktion, über die man bestimmte Spielbereiche direkt erreichen kann. Trotzdem muss der Spieler innerhalb dieser Bereiche noch einige Laufwege absolvieren. An einigen Stellen im Spiel kann man durch unüberlegte Aktionen oder Aussagen in Dialogen auch das Zeitliche segnen. Im einfachen Schwierigkeitsgrad kann man diese Stellen beliebig oft wiederholen. Im schweren Modus hat man jedoch nur eine begrenzte Anzahl von Versuchen, danach muss man einen alten Spielstand laden. Insgesamt ist klar der einfache Schwierigkeitsgrad zu empfehlen, da man dadurch absolut nichts verpasst. Eigentlich ist die Auswahl der Schwierigkeitsgrade in diesem Spiel ein eher überflüssiges Feature. Zum Abspeichern der Spielstände stehen insgesamt 20 Speicherslots zur Verfügung. Technisch funktionierte das Spiel absolut einwandfrei.


Zusammenfassung

Das Setting von Alternativa verspricht eigentlich ein interessantes Adventure, allerdings kann das Spiel diese Erwartungen letztendlich leider nicht ganz erfüllen. Das Spiel schafft es aufgrund mangelnder Hintergrundinformationen und farbloser Charaktere nicht, den Spieler wirklich in die Spielwelt eintauchen zu lassen und die Handlung dümpelt so vor sich hin. Zudem wirkt die Story sehr konstruiert und ist teilweise nicht nachvollziehbar. Rätseltechnisch überwiegen Inventar- und Kombinationsrätsel, begleitet von teilweise etwas anspruchsvolleren Aufgaben, bei denen Schlösser, Codes und Passwörter geknackt werden müssen. Grafisch präsentiert sich das Spiel mit schön gestalteten und detailreichen Hintergründen. Leider ist dagegen die Animation der Charaktere eher schwach ausgefallen. Die Hintergrundmusik ist soweit in Ordnung, aber mit Hintergrundgeräuschen wurde leider etwas zu stark gespart. Überzeugen können hingegen die gelungenen Sprachausgaben der voll lokalisierten Version. Über die Spieldauer von etwa 8 Stunden bietet das Adventure besonders story- und rätseltechnisch eher nur durchschnittliche Unterhaltung. Technisch funktionierte das Spiel einwandfrei.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Centauri Production
Publisher Peter Games
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks keine


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