Review zu "Haunted"

Nach den erfolgreichen Adventures „Ankh“, „Jack Keane“ und auch „Black Sails“ ist jetzt mit „Haunted“ ein weiteres Adventure der Entwickler „Deck 13“ erschienen. Eigentlich war das Spiel bereits für das dritte Quartal 2009 angekündigt, leider aber hatte sich die Veröffentlichung durch zwei Publisher-Insolvenzen immer weiter verschoben. Letztendlich hat dann dtp-Entertainment das Spiel übernommen und auch veröffentlicht. Wie auch in den bisherigen Adventures setzen die Entwickler wieder auf eine komplette 3D-Umsetzung auf der bewährten OGRE-Engine.

Verpackung, Handbuch und Installation

Ausgeliefert wird das Spiel in einem Karton mit Klappdeckel, der in einer DVD-Box die Spiel-DVD und das gedruckte Handbuch beinhaltet. Letzteres vermittelt auf etwa 23 Seiten ausführlich alle wichtigen Informationen zum Spiel. Als kleine Zugabe finden sich auf der DVD noch Trailer und Demos zu anderen Adventures. Die Installation verlief problemlos und es wurden knapp 4,5GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Unmittelbar nach der Veröffentlichung wurde auch ein erster Patch zum Spiel bereitgestellt, der diverse Fehler beheben soll. Es ist also dringend zu empfehlen, gleich auch den jeweils aktuellsten Patch zu installieren. Dieser Test bezieht sich auf die Version 1.0.1 (also mit dem ersten Patch) des Spieles. Beim Start des Spiels wird kurz die DVD im Laufwerk überprüft. Über das Hauptmenü gelangt man in die Optionen, wo neben den verschiedenen Lautstärken und den Untertiteln noch diverse Einstellungen für die Grafik vorgenommen werden können (Auflösung, Detailgrad, Texturen, Effekte, Antialiasing, Helligkeit). Da das Spiel extrem performancehungrig ist, kann es durchaus etwas dauern, bis man einen guten Kompromiss zwischen Grafikqualität und Spielbarkeit gefunden hat. Leider muss man nach dem Ändern mancher Grafikeinstellungen das Spiel neu starten, bevor man die Auswirkungen sieht. Beim Start eines neuen Spieles kann man zwischen den Schwierigkeitsgraden normal, hoch und sehr hoch auswählen. Diese Einstellung hat jedoch keinerlei Einfluss auf den Umfang des Spieles oder die Schwierigkeit der Rätsel. Es wird dadurch lediglich festgelegt, ob die Hotspot-Taste und die Hilfefunktion im Spiel verfügbar sind. Diese Funktionen können übrigens auch jederzeit nachträglich über die Optionen aktiviert werden.

Story und Rätsel

Der Spieler schlüpft in die Rolle des Straßenmädchens Mary, das eines Nachts von der Stimme ihrer totgeglaubten Schwester Emily gerufen wird: „Hilf mir, sie tun mir weh!“. Mary folgt der Stimme, wird aber durch bedrohliche Geräusche erschrocken. Sie versucht wegzulaufen, stürzt dabei aber und bleibt leblos am Boden liegen. Ethan, der etwas dämliche Lakai der bösen Professorin Ashcroft, findet Mary und schleppt sie ins Labor, wo die Professorin dunkle Experimente an toten Menschen vornimmt. Als die Professorin einen ersten Schnitt mit ihrem Skalpell auf Marys Oberkörper setzt, wacht Mary plötzlich wieder auf. Ihre einzige Chance ist es, aus dem Labor zu flüchten. Dabei trifft sie durch Zufall auf den freundlichen Piraten-Geist Oscar, der ihr von nun an nicht mehr von der Seite weichen wird. Zudem findet sie im Labor der Professorin noch einen Hinweis auf ihre Schwester. Ist Emily etwa doch nicht bei einem Zugunglück ums Leben gekommen? Ihre Leiche wurde zumindest nie gefunden. Mit der Hilfe von Oscar begibt sie sich auf die Suche nach Emily, eine abenteuerliche Reise, die sie von London aus auch nach Schottland und sogar bis nach Transsilvanien führen soll. Auf ihrer Suche trifft Mary dann auch noch fünf weitere Geister, die ihr mit ihren jeweils speziellen Fähigkeiten zur Seite stehen.

Die zunächst tragisch beginnende Story wandelt sich zunehmend in eine eher humorvoll angehauchte Geschichte, bei der mehr die witzigen Geister als der Hauptcharakter Mary und die Suche nach ihrer Schwester in den Vordergrund rücken. Dadurch bleibt die Figur Mary eher farblos und wirkt zudem wenig glaubwürdig. Der Spieler kann sich in Folge nicht mit ihr identifizieren, wodurch sich auch kein wirklicher Tiefgang in der Story zeigt. Somit ergibt sich eine eher seichte Handlung, die lediglich von den humorvollen Einlagen und Dialogen der skurrilen Geister lebt. Die Story unterteilt sich in 6 Kapitel und durch die Erfüllung zusätzlicher Aufgaben kann noch ein Bonuskapitel freigeschalten werden. Allerdings wirken diese zusätzlichen Aufgaben sehr aufgesetzt und sind unlogisch in den Spielverlauf integriert. Warum sollte Mary, die alles daran setzt, schnell ihre Schwester zu finden, noch zusätzliche Aufgaben für einen Händler übernehmen? Unter Einbeziehung des Bonuskapitels und ohne Verwendung der optionalen Spielhilfen darf man eine Spieldauer von etwa 8-10 Stunden erwarten, allerdings sind sowohl das normale als auch das erweiterte Ende (nach dem Bonuskapitel) wenig zufriedenstellend. Rätseltechnisch hat das Spiel zwei Schwerpunkte. Zunächst ist da das Auffinden und Anwenden von Gegenständen auf Hotspots oder innerhalb des Inventars. Diese Rätsel sind im Schwierigkeitsgrad sehr einfach. Zusätzlich gibt es aber noch Rätsel, bei denen die verschiedenen Fähigkeiten der 6 Geister einzeln oder auch in Verbindung eingesetzt werden müssen, was teilweise sehr schöne und zumindest etwas anspruchsvollere Rätsel bietet.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch wurde das Spiel unter Verwendung der bewährten OGRE-Grafik-Engine wieder komplett in 3D umgesetzt. Die Locations sowie die Charaktere sind sehr schön und detailreich gestaltet. Allerdings fordert das Spiel hinsichtlich der Grafik sehr viel Performance und nur mit einem Highend-System kommt man wirklich in den Genuss des vollen Detailgrades bei hoher Auflösung mit sämtlichen Vollbildeffekten. Aus diesem Grund wurden die Screenshots für dieses Review mit eher niedrigen Grafikeinstellungen gemacht. Soundtechnisch wird das Spiel von stimmigen Musikstücken und atmosphärischen Hintergrundgeräuschen untermalt. Besonders gut gefallen die gewählten Sprecher und somit die Sprachausgaben, die ausgezeichnet zu den einzelnen Charakteren passen. Dies bildet mitunter einen wesentlichen Beitrag zum Gesamteindruck, da das Spiel stark vom Humor in den Dialogen zwischen und mit den Geistern lebt. Leider sind die Sprachausgaben gelegentlich aber abgeschnitten.


Gameplay

Gesteuert werden Mary und später einer der Geister aus der 3rd-Person-Perspektive mit einem denkbar einfachen Point&Click-Interface. Alle Aktionen laufen über die linke Maustaste, was umgekehrt aber bedeutet, dass es zu jedem Objekt direkt nur eine einzige Interaktionsmöglichkeit gibt, was den Spieler beim Erkunden natürlich etwas einschränkt. Das Inventar wird am oberen Bildschirmrand angezeigt und die Geister mit ihren besonderen Fähigkeiten stehen am unteren Bildschirmrand zur Verfügung (natürlich erst sobald man sie getroffen hat). Durch einen Doppelklick kann Mary zum Laufen gebracht werden und in London steht zudem eine Kartenfunktion zum schnelleren Aufsuchen der verschiedenen Orte zur Verfügung. Abhängig vom eingestellten Schwierigkeitsgrad stehen zudem noch eine Hotspot-Taste und eine Hinweisfunktion zur Verfügung. Diese Funktionen können auch nachträglich über das Optionsmenü eingeschalten werden. Es empfiehlt sich, regelmäßig zu speichern, da es manchmal vorkommen kann, dass Mary in einem Bereich einer Location verschwindet oder es plötzlich keinen Ausgang mehr gibt. In solchen Fällen hilft oft nur das Laden eines früheren Spielstandes. Ansonsten lief das Spiel abgesehen von kleineren Grafikfehlern aber absolut einwandfrei.


Zusammenfassung

Mit „Haunted“ haben die Entwickler von „Deck 13“ ein ansprechendes Adventure geschaffen, das sich aber nicht mit den früheren Titeln „Ankh“, „Jack Keane“ oder „Black Sails“ messen kann. Das Hauptproblem ist die eher seichte Handlung ohne Tiefgang, die nur von den teilweise humorvollen Einlagen der skurrilen Geister lebt. Der spielbare Hauptcharakter Mary bleibt eher farblos und wirkt zudem wenig glaubwürdig. Der Zusammenspiel tragischer und humorvoller Elemente funktioniert nicht oder nur teilweise, weil zu früh die humorvollen Einlagen überwiegen und die tragischen Abschnitte nicht genug zur Geltung kommen. Aber zumindest die humorvollen Passagen funktionieren ganz gut, für die ausschlaggebend auch die witzigen Dialoge mit und zwischen den Geistern sind, was durch sehr gute Sprecher noch zusätzlich unterstrichen wird. Auch soundtechnisch präsentiert sich das Spiel mit stimmigen Musikstücken und atmosphärischen Hintergrundgeräuschen ausgesprochen gut. Grafisch bietet das Spiel wieder eine tolle Umsetzung in 3D, die allerdings für die volle Entfaltung eine sehr hohe Performance des Systems verlangt. Nur mit einem Highend-Rechner kann man wohl mit hoher Auflösung und bei vollem Detailgrad spielen. Die Spieldauer über die 6 Kapitel (plus ein Bonuskapitel) beträgt ohne Verwendung der Hotspot-Anzeige und der Spielhilfe etwa 8-10 Stunden. Technisch funktionierte das Spiel mit dem Patch v1.0.1 weitestgehend einwandfrei.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Deck 13 Interactive
Publisher dtp Entertainment / Game Homepage
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks mit Patch v1.0.1 getestet


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