Review zu "The Last Express (Retro-Games)"

Im Rahmen der Reihe „Retro-Games“ lassen Daedalic Entertainment und DotEmu diesen Adventure-Klassiker aus dem Jahre 1997 wieder aufleben. Entwickelt wurde das Adventure damals von Smoking Car Productions und war auf Windows95 bzw. DOS lauffähig. In dieser Neuauflage kann das Spiel jetzt jedoch auch auf aktuellen Betriebssystemen (XP,Vista,Win7) problemlos installiert und gespielt werden. Durch einen mysteriösen Mordfall im Orient-Express gerät man darin in der Rolle des jungen Amerikaners Robert Cath in ein Netz aus Intrigen und Verschwörungen.

Verpackung, Handbuch und Installation

In der Originalausgabe von 1997 wurde das Spiel auf 3 CDs veröffentlicht. In dieser Neuauflage hingegen kommt das Spiel komplett auf einer DVD, die in einer einfachen DVD-Box verpackt ist. Ein gedrucktes Handbuch ist nicht beigelegt, jedoch finden sich das komplette Handbuch sowie eine Lösung zum Spiel nach der Installation als PDF-Datei im Spielverzeichnis, allerdings leider nur in Englisch. Beim Spiel selber hingegen handelt es sich aber um die deutschsprachige Ausgabe. Die Installation verlief völlig problemlos und man benötigt keinerlei Kenntnisse über Emulatoren oder Virtualisierung, um das Spiel auf aktuellen Betriebssystemen installieren zu können. Es werden dabei etwa 1,9GB an Daten auf die Festplatte übertragen und das Spiel wird in zwei technischen Versionen installiert (Windows und DosBox), wodurch eine gewisse Sicherheit auch für künftige Betriebssysteme gegeben ist. Als kleine Zugabe werden dabei auch der komplette Soundtrack und ein Video über die Entwicklung des Spieles installiert.

Story und Rätsel

Die Handlung beginnt am 24. Juli 1914, unmittelbar vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges. Der Orient-Express befindet sich auf seiner vorerst letzten Fahrt von Paris nach Konstantinopel. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Robert Cath, einem jungen Arzt aus Amerika. Er wurde von seinem Freund Tyler Whitney gebeten, sich dringend mit ihm im Orient-Express zu treffen. Robert folgt dieser nachdrücklichen Bitte, wird aber niederschmetternd überrascht, als er seinen Freund kaltblütig ermordet in dessen Zugabteil auffindet. Um zu verhindern, dass er selber unter Mordverdacht gerät, beschließt Robert, die Leiche verschwinden zu lassen und im Zug vorübergehend die Identität seines Freundes anzunehmen, um den wahren Mörder aufzuspüren. Schnell gerät Robert dabei jedoch in ein Netz aus Intrigen und politischen Verschwörungen. Die Story ist spannend und hochinteressant, da sich in der in sich abgeschlossenen Umgebung des Orient-Express Menschen verschiedenster Nationalitäten mit unterschiedlichsten, teils politisch motivierten Interessen begegnen. Dies ist die Basis für eine ganz besondere Atmosphäre und verleiht der Handlung sowie den Charakteren eine besondere Tiefe, da man auf begrenztem Raum nur mit einer überschaubaren Anzahl von Personen über einen längeren Zeitraum interagiert. Es geht sogar so weit, dass die Charaktere untereinander teilweise nur in ihren Landessprachen kommunizieren (ggf. natürlich mit deutschen Untertiteln für den Spieler).

Das Szenario ist sehr dynamisch, da sich die nicht spielbaren Charaktere viel innerhalb des Zuges bewegen und auch untereinander entsprechend ihrer Interessen agieren. Zudem nehmen die Aktionen des Spielers einen nachhaltigen Einfluss auf das Umfeld und es ergeben sich unterschiedlichste Handlungsverläufe. Allerdings gerät man dadurch auch oftmals in Handlungsstränge, die zu einem vorzeitigen und schlechten Ausgang der Geschichte führen. Dies ist in diesem Spiel auf eine ganz eigene Art umgesetzt, wodurch es sich von anderen Adventures abhebt. Mit den Aktionen des Spielers schreitet die Zeit (Uhr im Spiel) voran und wenn man durch eine Aktion mal einen ungünstigen Pfad im Spiel eingeschlagen hat (vorzeitiges Ende), kann man die Uhr an einen beliebigen Zeitpunkt zurückstellen, um ab dort einen anderen Handlungsverlauf zu versuchen. Um dies aber nicht zu komplex und evtl. frustrierend werden zu lassen, bildet jeder Halt des Zuges an einem der Hauptbahnhöfe (z.B. München oder Wien) einen klaren Abschluss der letzten Handlungsstränge. Dies bedeutet, dass man bei einem schlechten Handlungspfad die Zeit maximal nur bis zum letzten Bahnhof zurückstellen muss, um einen neuen Verlauf zu probieren und das Spiel erfolgreich beenden zu können. Der Schwerpunkt des Spieles liegt eindeutig auf der Story und der Interaktion mit den anderen Charakteren. Entsprechend ist die Dichte an adventuretypischen Rätseln eher gering, was dem Spiel aber keineswegs schadet. Bezüglich der Spieldauer ist eine Aussage sehr schwierig, da es stark davon abhängt, wie schnell man einen guten Pfad im jeweiligen Spielabschnitt findet. Eine Spieldauer von 12 Stunden aufwärts, bis hin zu 20 Stunden und mehr ist durchaus möglich. Die Tatsache, dass man einige Spielabschnitte mehrmals durchläuft ist eigentlich kein Problem, im Gegenteil, es verstärkt die Spieltiefe.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch präsentiert sich das Spiel im Cartoon-Stil und mit einer originalgetreuen Umsetzung des Orient-Express vor dem ersten Weltkrieg. Eine Besonderheit dabei ist, dass die Charaktere von echten Schauspielern in der Bluebox dargestellt wurden und erst später durch eine spezielle Software in Cartoon-Grafiken umgewandelt wurden. Dadurch sind die Charaktere optisch sehr ausdrucksstark. Die Bewegungen der Charaktere sind in Bildfolgen und nicht in flüssigen Animationen dargestellt, was aber nicht störend ist. Die Locations sind sehr detailreich gestaltet und man sieht dem Spiel die aufwändige Recherchearbeit an. Nachdem das Spiel bereits 1997 erschienen ist, sind die Grafiken natürlich nicht auf dem heutigen Stand der Technik, aber das tut dem Spielspass keinen Abbruch. Unterstützt wird die Atmosphäre im Spiel durch einen tollen und umfangreichen Soundtrack, der als Bonusmaterial (25 Musikstücke im MP3-Format) auch im Spielverzeichnis verfügbar ist. Neben der Musik bietet das Spiel auch stimmige Hintergrundgeräusche. Die Sprachausgaben der Charaktere sind einwandfrei und eine Besonderheit des Spieles ist, dass viele der Charaktere untereinander in ihrer Landessprache sprechen. Diese Dialoge sind natürlich entsprechend untertitelt, sofern Robert die jeweilige Sprache beherrscht. Dieses Gemisch an verschiedenen Sprachen trägt einen wesentlichen Teil zur multikulturellen Atmosphäre des Spieles bei.


Gameplay

Gesteuert wird das Spiel mittels einer reinen Point&Click-Steuerung. Manche Funktionen erscheinen vielleicht etwas umständlich, beispielsweise der Umgang mit dem Inventar, aber das ist nicht weiter schlimm. Der Spieler erforscht den Orient-Express grundsätzlich aus der 1st-Person-Perspektive, allerdings gibt es immer wieder auch Sequenzen, die in der 3rd-Person-Perspektive präsentiert werden. Beim Durchwandern des Zuges springt man von Einzelbild zu Einzelbild, es gibt also keine scrollende Rundumsicht. Möchte man einen der Waggons schnell durchlaufen, kann man dies über einen Doppelklick erreichen. An machen Stellen im Spiel gibt es kleine Kampfeinlagen, bei denen man auf die Aktionen des Gegners achten sollte und dann entsprechend decken oder angreifen muss. Diese Szenen sind aber einfach zu bewältigen und können beliebig wiederholt werden. Eine eigene Speicherfunktion ist nicht vorgesehen, da der Spielstand laufend automatisch gespeichert wird. Möchte man zu einem alten Spielstand zurückkehren, muss einfach die Uhr im Spiel zurückgedreht werden. Technisch funktionierte das Spiel absolut einwandfrei.


Zusammenfassung

Es ist schön, dass dieser Adventure-Klassiker im Rahmen der Reihe “Retro-Games” von Daedalic Entertainment jetzt wieder in den Läden steht und auf aktuellen Betriebssystemen spielbar ist. Die Stärke des Spieles ist klar die interessante und spannende Story mit viel Atmosphäre und Tiefe. Klassische Rätsel sind natürlich auch vorhanden, aber die stehen eher im Hintergrund. Hauptaugenmerk legt das Spiel auf das Erleben der Story mit unterschiedlichen Verläufen und die Interaktion mit den Charakteren verschiedenster Nationalitäten und Prägungen. Eine Besonderheit ist die Zeitfunktion, da mit den Aktionen des Spielers eine Uhr im Spiel läuft. Hat man mal einen Handlungspfad mit einem vorzeitigen (schlechten) Ende der Story eingeschlagen, kann man die Uhrzeit beliebig zurückstellen, um einen anderen Pfad zu probieren. Grafisch präsentiert sich das Adventure im Cartoon-Stil, wobei die Charaktere zunächst von echten Schauspielern dargestellt und erst später per Software in den Cartoon-Stil umgewandelt wurden. Die Spielwelt im Orient-Express ist sehr detailreich und originalgetreu umgesetzt. Soundtechnisch bietet das Spiel einen umfangreichen Soundtrack, stimmige Hintergrundgeräusche und einwandfreie Sprachausgaben. Viele der nicht spielbaren Charaktere sprechen dabei untereinander in ihren jeweiligen Landessprachen (mit deutschen Untertiteln), was den multikulturellen Hintergrund im Spiel unterstreicht. Gesteuert wird das Spiel überwiegend aus der 1st-Person-Perspektive (Einzelbilder) mittels einer reinen Point&Click-Steuerung.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Game Homepage The Last Express (Retro-Games)
Publisher Daedalic Entertainment
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 1st-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks lauffähig auf aktuellen Betriebssystemen


Kommentare zum Review / Comments on the Review