Review zu "Edna bricht aus"

Unter dem Motto "Von den Leuten, die Monkey Island gut finden" hat das Team von Daedalic Entertainment jetzt das erste selbst entwickelte Adventure herausgebracht. Es soll sich ganz an den Adventures „der alten Schule“ orientieren und setzt den Schwerpunkt auf Story und Rätsel, anstatt vieler technischer und grafischer Finessen. Das Spiel hat schon im Vorfeld mitunter durch seinen ganz eigenen Comic-Stil eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Es verspricht eine tolle Story, viele schräge Charaktere und zudem eine besonders lange Spieldauer. Freigegeben ist dieses Adventure ohne Altersbeschränkung (USK).

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einem farbenfroh und ansprechend gestalteten Karton mit Klappdeckel, welcher eine DVD-Box mit dem Datenträger (DVD) und einem kleinen Handbuch beinhaltet. Das 25-seitige Handbuch vermittelt auf teils sehr witzige Art alle wichtigen Infos zum Spiel und bietet Genreeinsteigern zudem eine Lösungshilfe für die ersten Rätsel im Spiel. Die Installation verlief problemlos, beansprucht aber etwas Zeit, da insgesamt fast 7GB an Daten auf die Festplatte übertragen werden müssen. Da der Entwickler/Publisher ganz bewusst darauf setzte, dieses Spiel ohne Kopierschutz auszuliefern, sind von dieser Seite auch keinerlei technische Probleme zu erwarten. Übrigens ein sehr mutiger und vielleicht wegweisender Schritt, der dem Feedback vieler Adventurefans Folge leistet und hoffentlich auch entsprechend honoriert wird. Da das Spiel technisch keine großen Anforderungen an das System stellt, gibt es auch keine besonderen Optionen einzustellen. Entsprechend kann man im Optionsmenü lediglich Musik, Sound oder Untertitel ein- bzw. ausschalten.

Story und Rätsel

Die Handlung beginnt damit, dass sich Edna in der gepolsterten Zelle eines Irrenhauses wiederfindet und zunächst keine Ahnung hat, warum sie dort ist und wie sie da eigentlich hingekommen ist. Offensichtlich wird sie gegen ihren Willen dort festgehalten und muss nach einem Weg suchen, aus dieser Anstalt auszubrechen. Gut, dass Edna ihren sprechenden Stoffhasen Harvey dabei hat, der ihr mit mehr oder weniger wertvollen Ratschlägen immer zur Seite steht. Nachdem Edna der Ausbruch aus ihrer Zelle gelungen ist, sieht sie sich zunächst im Irrenhaus um und trifft dabei natürlich auf viele andere skurrile Charaktere in Person der anderen Insassen. Bald schon findet Edna heraus, dass Dr. Marcel, der Leiter dieser Anstalt, dahinter steckt und sie hier festhält. Immer wieder gibt es spielbare Rückblenden (durch sogenanntes „Tempomorphen“) in die Kindheit von Edna, die bei der Lösung von Rätseln in der Gegenwart helfen, vor allem aber auch Licht in Edna´s Geschichte bringen sollen. Was zunächst nur als witzige Geschichte in einem Irrenhaus erscheint, wandelt sich zunehmend in eine melancholische Stimmung und Story mit Tiefgang, die aber verblüffender Weise immer noch viel Humor zu transportieren vermag. Dadurch entwickelt sich natürlich auch der Charakter Edna, bzw. der Blick des Spielers darauf, ganz entscheidend. Insgesamt endlich wieder mal ein Adventure mit einer wirklich hervorragenden Geschichte, was in den letzten Jahren der Adventuregeschichte eher Mangelware war. Aber nicht die Story allein, auch die durchdachten Rätsel geben dem Spiel eine ganz besondere Note. Sie passen sich optimal in den Spielverlauf ein und fordern den Spieler durchaus heraus. Der Schwerpunkt dabei liegt auf objekt- bzw. inventarbezogenen Aufgaben und auf klassischen Dialogrätseln. Die Rätsel werden zwar niemals unfair, aber entsprechend dem Umfeld und dem Profil des Hauptcharakters muss man gelegentlich auch mal etwas querdenken. Zusammenfassend ist dieses Adventure in Bezug auf Story, Atmosphäre und Rätsel ganz einfach ausgezeichnet und daher ein großes Kompliment an die Entwickler, insbesondere natürlich auch an die kreativen Köpfe hinter diesem Spiel.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch zeigt sich das Spiel, zumindest in technischer Hinsicht, bei einer festen Auflösung von 800x600 eher bescheiden. Alle Hintergründe bzw. Charaktere im Spiel sind handgezeichnet und es wird auf besondere Grafikeffekte (z.B. auch Schatten) vollständig verzichtet. Weiters gibt es praktisch auch keine Hintergrundanimationen. Trotzdem haben die Grafiken in ihrem ganz eigenen Comic-Stil eine besondere Wirkung und verleihen dem Spiel in Verbindung mit der Story seine Einzigartigkeit. Auch in Sachen Sprachausgaben ist das Spiel herausragend. Von den hervorragenden Sprechern werden mit fast 22.000 Sprachsamples praktisch alle möglichen Aktionen und Objektkombinationen im Spiel individuell kommentiert. Irgendwelche Standardsätze wird man in diesem Spiel kaum finden. Schön ist auch zu sehen, dass sich mehrere Mitarbeiter von Daedalic selber mit ihren Stimmen im Spiel eingebracht haben. Insgesamt vermittelt das Spiel ganz klar den Eindruck, mit sehr viel Liebe und Hingabe zum Adventuregenre erschaffen worden zu sein. In den Credits gibt es sogar einen eigenen Edna-Song, der vom Product Manager des Spiels selber geschrieben und auch interpretiert wurde. Die Hintergrundmusik im Spiel ist abwechslungsreich und rundet den sehr positiven Gesamteindruck ab. Lediglich mit den Hintergrundgeräuschen bei Aktionen wurde teilweise etwas sparsam umgegangen.


Gameplay

Gesteuert wird Edna mit einer reinen Point&Click-Steuerung, bei der das altbekannte System mit den Verben wieder zum Einsatz kommt. Es können die Aktionen „ansehen, nehmen, reden und benutzen“ und danach ein entsprechendes Objekt oder eine Person angeklickt werden. Das Inventar kann über eine Schaltfläche am unteren Bildschirmrand geöffnet werden und umfasst 35 leere Plätze, die sich im Spielverlauf zunehmend füllen. In manchen Spielabschnitten kann zusätzlich zu Edna auch ihr Stoffhase Harvey gesteuert werden. Allerdings hat dieser nicht die vollen Interaktionsmöglichkeiten, sondern kann nur Hinweise einsammeln und diese an Edna weitergeben, die dann weitere Aktionen ausführt. Generell ist der Spielverlauf nicht streng linear und man ist nicht an eine feste Reihenfolge beim Lösen der Aufgaben gebunden. Bei der Suche nach den Hotspots bietet das Spiel Unterstützung durch eine Hotspottaste, allerdings sind die meisten Hotspots ohnehin klar auszumachen und man wird diese Funktion kaum in Anspruch nehmen müssen. Ganz witzig ist auch die Art und Weise, wie sich Edna an den verschiedenen Schauplätzen im Spiel „verewigen“ kann. Ausgerüstet mit beispielsweise einem Kugelschreiber, einem Messer oder einer Ketchup-Flasche kann Edna mutwillig ihre Umgebung beschmieren oder beschmutzen, wie nachfolgendes Bild von Ednas Zelle schön veranschaulicht. Wenn man sich auf alle Dialoge einlässt und die Umgebung sorgfältig erkundet, darf man selbst mit Adventureerfahrung eine Spieldauer von knapp 20 Stunden erwarten. Technisch lief das Spiel problemlos, nur nach einem Taskwechsel (aus dem Vollbild-Modus) machte das Spiel Probleme und musste über den Taskmanager beendet werden. Ein weiterer kleiner Schwachpunkt ist das Speicher- und Lademenü. Leider gibt es trotz der längeren Spieldauer nur insgesamt 9 Speicherslots und die Spielstände werden mit keinem Zeitstempel versehen. Zudem erscheinen die Zeiten für das Laden/Speichern von Spielständen doch ungewöhnlich lang.


Zusammenfassung

Mit „Edna bricht aus“ ist Daedalic Entertainment gleich bei dem ersten selber entwickelten Spiel ein wahrer Adventure-Hit gelungen. Das Spiel setzt auf seine hervorragende Geschichte in Verbindung mit stimmigen Rätseln und dieses Konzept geht voll auf. Die Grafik präsentiert sich zwar eher schlicht und ohne spezielle Effekte, trotzdem aber haben die handgezeichneten Hintergründe und Charaktere einen ganz besonderen Reiz und passen nahezu perfekt zu diesem Spiel. Ein wahres Highlight bilden auch die Sprachausgaben, die von höchster Qualität sind und praktisch alle Aktionen und Kombinationsmöglichkeiten im Spiel mit individuellen Kommentaren versehen. Die Hintergrundmusik ist abwechslungsreich und trägt zur tollen Atmosphäre im Spiel bei. Unbedingt auch die Credits am Ende ansehen, denn da gibt es einen eigenen Edna-Song zu hören. Kleine Schwachpunkte sind eigentlich nur die teilweise fehlenden Hintergrundgeräusche bei manchen Aktionen und das Speicher/Lade-Menü. Bei einer Spieldauer von knapp 20 Stunden bietet dieses Adventure ausgezeichnete Unterhaltung auf höchstem Adventureniveau und man merkt förmlich, mit wieviel Liebe zum Adventuregenre dieses Spiel erschaffen wurde.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Daedalic Entertainment
Publisher Xider
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective
3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating keine
Anmerkungen/Remarks