Review zu "Black Mirror 2"

Etwa fünf Jahre nach dem Erscheinen des erfolgreichen Adventures “Black Mirror: Der dunkle Spiegel der Seele“ ist nun der lange erwartete Nachfolger veröffentlicht worden. Die Handlung des Spieles ist 12 Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teiles angesiedelt, blickt dabei aber auch ein Stück in der Vergangenheit. Entwickelt wurde das Adventure mit 3D-Charakteren auf 2D-Hintergründen (kurz 2,5D) diesmal nicht mehr von Future Games, sondern im Auftrag von Publisher dtp Entertainment von Cranberry Production in Zusammenarbeit mit KingArt. Freigegeben ist das Spiel ab 16 Jahren (USK).

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einem hochwertigen Karton mit Klappdeckel, welcher die DVD-Box mit der Spiel-DVD und dem gedruckten Handbuch beinhaltet. Letzteres vermittelt auf etwa 50 Seiten sehr ausführlich und gut bebildert alle wichtigen Informationen zum Spiel. Die Installation verlief problemlos und es wurden unglaubliche 6GB an Daten auf die Festplatte übertragen, was bereits den Umfang des Spieles erahnen lässt. Kurz nach der Veröffentlichung des Spieles ist bereits ein Patch auf die Version v1.01 erschienen, der diverse Verbesserungen einfließen lässt und kleinere Fehler behebt. Es empfiehlt sich dadurch auf jeden Fall, sich auf der Homepage des Spiels den aktuellsten Patch zu besorgen und gleich zu installieren. Beim Spielstart und auch über den gesamten Spielverlauf muss die Spiel-DVD im Laufwerk verbleiben, worauf auch das Handbuch nochmals ausdrücklich hinweist. Über das Hauptmenü können diverse Einstellungen zur Grafik und zum Sound vorgenommen werden, welche im Handbuch genauer erläutert werden. Darüber hinaus finden sich in den Optionen auch die Einstellungen für die umfangreichen Spielhilfen. Man kann sich darüber automatische Tipps zur Steuerung einschalten, die Hotspot-Anzeige freischalten und zusätzliche Spielhilfen aktivieren. Mehr Details zu diesen Funktionen finden sich im Gameplay-Abschnitt dieses Reviews. Ein weiteres nettes Feature ist die Einstellbarkeit des Mauscursors, der sich sogar auf die aus dem ersten Teil des Spiels bekannte Form einstellen lässt. Im Spielverlauf freigeschaltenes Bonusmaterial kann im Hauptmenü über den Punkt „Extras“ geöffnet und beliebig oft betrachtet werden. Der im Moment jedoch wichtigste Eintrag ist wohl „Neues Spiel“ und damit wollen wir auch gleich fortfahren. Bevor ein neues Spiel gestartet wird, kann der Spieler noch den Schwierigkeitsgrad zwischen „einfach“ und „normal“ selektieren. Bei der Auswahl „einfach“ werden automatisch die verfügbaren Spielhilfen aktiviert. Startet man das Spiel im Modus „normal“ hat man später immernoch die Möglichkeit, diese Spielhilfen über das Optionsmenü zu aktivieren. Eines vorweg: der Schwierigkeitsgrad des Spieles insgesamt ist nicht besonders hoch. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, das Spiel zunächst mit dem Schwierigkeitsgrad „normal“ zu beginnen und die Spielhilfen nur dann gezielt zu aktivieren, wenn man wirklich festhängen sollte.

Story und Rätsel

Das Intro des Spieles zeigt die Geschehnisse auf dem Schloss Black Mirror 12 Jahre vor der Handlung des ersten Teiles. Samuel Gordon stößt im Wahn seine Frau Cathrin zu Boden und dabei geht eine brennende Petroleumlampe zu Bruch, welche diesen Trakt des Schlosses in Brand steckt. Anstatt seine Frau zu retten läuft Samuel wie von Sinnen davon und überlässt Cathrin den Flammen. Vor dem Schloss stehend beobachtet er durch ein Fenster, wie seine Frau qualvoll in den Flammen um ihr Leben ringt, bis sie zu Boden sinkt. Szenenwechsel. Die eigentliche Handlung des Spiels beginnt fernab vom Schloss Black Mirror im idyllischen Küstenstädtchen Biddeford in den USA und spielt im Jahre 1993, also 24 Jahre nach den Ereignissen im Intro-Video und somit 12 Jahre nach der Handlung im ersten Teil von Black Mirror. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Darren Michaels, der in Boston studiert, allerdings seine Semesterferien hier in Biddeford bei seiner Mutter verbringt. Um sich etwas Geld zu verdienen und da er sich für Fotografie interessiert, hat Darren einen Ferialjob im örtlichen Fotoladen angenommen. Sein tyrannischer Chef Fuller nutzt ihn allerdings nur aus, lässt Darren nur den Laden putzen oder irgendwelche Botengänge erledigen. Als die hübsche Engländerin Angelina Morgan in Biddeford auftaucht, verliebt sich Darren und versucht sich ihr anzunähern. Kurz darauf erschüttert jedoch ein grausames Verbrechen das Küstenstädtchen und auch Darren wird in die Sache mit hinein gezogen …


Bald stellt man sich als Spieler natürlich die Frage, was hat das eigentlich mit Black Mirror zu tun und wo besteht die Verbindung zum ersten Teil? Eines schon vorweg: es zeigen sich im Spielverlauf noch einige, teils unerwartete Verbindungen zu den früheren Geschehnissen auf Black Mirror und im späteren Spielverlauf rücken natürlich dann auch das Schloss und das Dorf Willow Creek in den Mittelpunkt des Geschehens. Allerdings wäre es eine Schande, an dieser Stelle schon mehr von der hervorragenden und spannenden Story zu verraten. Insgesamt versteht es das Spiel sehr gut, erst nach und nach die Spannung aufzubauen. In den ersten beiden der insgesamt 6 Kapitel geht es noch eher ruhig zur Sache und es werden sehr bedacht zunächst nur die Grundsteine für die weitere Handlung gelegt, ohne den Spieler dabei aber zu unterfordern oder gar zu langweilen. Hauptaugenmerk im ersten Spielabschnitt sind die Erledigung von einfachen Aufgaben und das Sammeln von Informationen. Dies ist zugleich auch ein guter Einstieg für Neulinge im Adventure-Genre. Erst als die Verbindungen zum Schloss Black Mirror bzw. dem nahe gelegenen Dorf Willow Creek klarer werden und sich bald auch der Ort des Spielgeschehens komplett dorthin verlagert, nimmt das Spiel zunehmend an Spannung auf. Auch die Aufgaben und Rätsel werden damit etwas anspruchsvoller, allerdings erreichen diese allerhöchstens den Bereich „mittelschwer“. Neben den umfangreichen klassischen Rätseln gibt es auch diverse Minispiele, die aber absolut in den Spielverlauf passen und einfach zu bewältigen sind. Da das Spiel ohnehin über ein sehr ausgeklügeltes Hilfesystem verfügt, darf man an dieser Stelle durchaus den Wunsch nach zumindest ein paar knackigeren Rätseln äußern, damit auch erfahrene Adventurespieler etwas mehr gefordert werden. Insgesamt bietet das Spiel bei einer spannenden Story und bei dichter Atmosphäre eine Spieldauer von knapp 20 Stunden, in denen der Spieler nach und nach immer tiefer in die Geheimnisse um das Schloss Black Mirror und die Familie Gordon eintaucht. Durch die zahlreichen, aber relativ einfachen Aufgaben und Rätsel ist der Spieler ständig beschäftigt und Frust kommt niemals auf. Wenn man wirklich mal festhängen sollte, kommen die durchdacht eingebauten Hilfefunktionen (siehe Gameplay) zum Einsatz und schon geht es weiter. Mit „Black Mirror 2“ ist es den Entwicklern gelungen, ein Spiel zu schaffen, das den Spieler in seinen Bann zieht und nicht ruhen lässt, bevor er die schrecklichen Geheimnisse aufgeklärt hat …

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Hinsichtlich der Grafik präsentiert sich das Spiel mit 3D-Charakteren auf vorgerenderten 2D-Hintergründen. Letztere wurden sehr liebevoll und mit extrem hohem Detailgrad umgesetzt, wie die nachfolgenden Screenshots verdeutlichen. Manche der zahlreichen Locations sind scrollbar, da sie sich über mehr als eine Bildschirmseite erstrecken. Belebt werden die Hintergründe mit sich sehr schön einfügenden Hintergrundanimationen und auch Wettereffekte wie Regen oder Nebelschwaden wurden eindrucksvoll umgesetzt. Gleich wie die Hintergründe zeigen sich auch die 3D-Charaktere in ausgesprochen hoher Qualität und das eingesetzte Motion-Capturing für die Körperbewegungen macht sich bezahlt. Zudem läuft der Protagonist auch nicht immer in derselben Kleidung herum. Abgerundet wird der visuelle Eindruck von mehreren vorgerenderten Videosequenzen, die zumeist zum Abschluss von Kapiteln eingesetzt werden. Der hohe Anspruch der Entwickler zeigt sich auch in diesen wunderbar gemachten Videos deutlich. Soundtechnisch wird der Spieler von stimmigen Hintergrundgeräuschen und perfekt der Atmosphäre angepassten Musikstücken und Soundeffekten verwöhnt. Auch hier ist der betriebene Aufwand unüberhörbar. In den Periscope Studios wurde dazu mit echten Musikinstrumenten gearbeitet, um die gruselige Soundkulisse für dieses einmalige Spielerlebnis zu schaffen. Die insgesamt etwa 10 Stunden Sprachausgaben sind von einwandfreier Qualität und die Sprecher wurden passend besetzt.


Gameplay

Gesteuert wird Darren aus der 3rd-Person-Perspektive mit einem sehr komfortablen Point&Click-Interface, bei dem die Form des Mauscursors sogar über die Optionen beeinflusst werden kann. Die zahlreichen Hotspots werden über den Mauscursor klar angezeigt und wenn man befürchtet, etwas übersehen zu haben, kann man sich mit Hilfe der Hotspot-Tasten helfen. Schön ist auch die Tastsache, dass Darren zu allen Hotspots stimmige Kommentare abgeben kann und alle nicht (mehr) spielrelevanten Hotspots automatisch verschwinden, sobald sie genutzt oder zumindest untersucht wurden. Einhergehend mit den vielen Hotspots gibt es im Spiel auch viele Gegenstände einzusammeln, die übersichtlich im Inventar am unteren Bildschirmrand verwaltet werden. Sehr gelungen ist dabei auch die Einbindung des Mausrades, über welches die an den Spielcursor gehefteten Inventargegenstände schnell durchgescrollt und angewendet werden können. Darren kann zwar nicht laufen, allerdings passt er seine Gehgeschwindigkeit der zu bewältigenden Distanz an, wodurch man sich zügig durch die Locations bewegen kann. Wenn einem dies immernoch nicht schnell genug ist, so kann man Szenen über einen Doppelklick verlassen oder über die eingebaute Kartenfunktion die Schauplätze direkt wechseln. Selbstverständlich gibt es im Spiel auch ausführliche Dialoge zu führen, wobei die Gesprächsthemen als kleine Bildchen am unteren Bildschirmrand angezeigt und dort vom Spieler angewählt werden. Der aktuelle Spielstand kann über das komfortable Speicher- bzw. Lademenü abgelegt werden und es gibt zudem noch eine Schnellspeichertaste, was sehr praktisch ist. Weiters bleibt zu erwähnen, dass man an manchen Stellen im Spiel durch falsche Aktionen das Zeitliche segnen kann. Das ist aber nicht weiter schlimm, da das Spiel automatisch und unmittelbar vor dem begangenen Fehler eine Sicherung des Spielstandes anlegt. Besonders hilfreich für Genre-Einsteiger sind auch die großzügig implementierten Spielhilfen, wie das Anzeigen von Tipps zur Steuerung, die Unterstützung bei Rätseln oder sogar ein Panik-Schalter bei diversen Aufgaben, wenn man diese überhaupt nicht zu lösen vermag. Insgesamt sind die Spielsteuerung und das Gameplay an sich sehr gut durchdacht und somit vorbildlich, ebenso wie die Tatsache, dass dieses Adventure technisch absolut einwandfrei funktionierte.


Zusammenfassung

Mit „Black Mirror 2“ ist den Entwicklern ein hervorragendes Adventure gelungen, welches dem ersten Teil in nichts nachsteht. Während der erfreulich langen Spieldauer von etwa 20 Stunden (ohne Verwendung der optionalen Spielhilfen) taucht der Spieler wieder voll in die erschütternde Geschichte der Familie Gordon und das Grauen des Schlosses Black Mirror ein. Das Adventure zieht den Spieler förmlich in seinen Bann und lässt ihn nicht ruhen, bis das dunkle Geheimnis gelüftet wurde. Das Spiel bietet sehr viele Aufgaben und klassische Rätsel, die allerdings durchwegs einfach zu lösen sind und für erfahrene Adventurespieler etwas zu wenig Herausforderung bieten könnten. Wesentlicher Bestandteil der dichten Atmosphäre im Spiel sind neben der spannenden Story natürlich auch die tollen Grafiken und der Sound. Die gerenderten 2D-Hintergründe mit diversen Hintergrundanimationen sind ausgesprochen detailreich und liebevoll gestaltet. Aber auch was die Animation der 3D-Charaktere angeht, haben die Entwickler ausgezeichnete Arbeit geleistet und das eingesetzte Motion-Capturing macht sich bezahlt. Gut eingebettet in den Spielverlauf bietet das Spiel zudem mehrere vorgerenderte Videosequenzen in sehr hoher Qualität. Untermalt werden die düsteren Locations von stimmigen Hintergrundgeräuschen und perfekt der Atmosphäre angepassten Musikstücken, welche die Spannung nachhaltig fördern. Die umfangreichen Sprachausgaben (insgesamt etwa 10 Stunden) sind einwandfrei und die Sprecher passend besetzt. Da das Adventure in allen relevanten Bewertungskriterien ohne Ausreißer nach unten voll überzeugen konnte und zudem technisch absolut einwandfrei funktionierte, hat es sich eine entsprechend hohe Wertung absolut verdient. Genau das haben sich die Adventurefans von „Black Mirror 2“ erhofft und die Erwartungen wurden sicherlich noch übertroffen, da man Fortsetzungen zunächst immer eher skeptisch gegenüber steht. Aber „Black Mirror 2“ hat uns eines Besseren belehrt und die Vorfreude auf eine weitere Fortsetzung damit entsprechend geschürt.

English Summary

With „Black Mirror 2“ the developers delivered an excellent adventure game, which by no means has to shrink from the comparison with the original game. During the quite long gameplay of apx. 20 hours (without using the integrated help facilities) the player gets fully immersed to the game, telling another thrilling story about the dark history of the Gordon family and the secrets of Black Mirror castle. The game offers many tasks and puzzles to solve, unfortunately most of them are very simple and no real challenge for experienced adventure gamers. Besides the great story also the amazing graphics and sound-design shape the dense atmosphere in this adventure game. The pre-rendered 2D-backgrounds with several background animations are very detailed and lovingly done. But also regarding the animation of the 3D-characters the developers simply did a great job and the motion-capturing used is working perfectly fine and makes the characters move quite realistic. Well embedded to the gameplay the game also provides several video-sequences, which were pre-rendered in very high quality. The background music as well as the overall sound-design are perfectly matching the gloomy locations and supporting the dense atmosphere in the game. The German language voice-overs (total apx. 10 hours) are of good quality and the voice actors were well chosen for the characters. As this adventure game scores on all relevant review criteria without any flaws and further technically performed without any troubles, it absolutely deserves a high review grade. The expectations for “Black Mirror 2” due to the success of original game were definitely quite high and fortunately the game managed not to disappoint at all, in fact it was even exceeding all expectations, which makes adventure gamers looking forward to the release of the next Black Mirror game.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Cranberry Production
Publisher dtp Entertainment / Game Homepage
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective
3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK16
Anmerkungen/Remarks Patch erhältlich / Patch available